Passauer Forscher: Europaweite Allianz gegen Angriffe aus dem Cyberspace

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Gemeinsam mit Experten aus ganz Europa rüsten Passauer Wissenschaftler Rathäuser, Behörden und kleine Unternehmen gegen Angriffe aus dem Internet. Dabei setzen sie auf Systeme, die sich selber heilen.

Die Attacke auf den Deutschen Bundestag vor zwei Jahren rückte das Thema Cyberkriminalität für einige Tage in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Gelöst ist diese Herausforderung bis heute nicht, im Gegenteil: Kommunale Verwaltungen und mittelständische Unternehmen kämpfen mittlerweile zunehmend mit Angriffen aus dem Cyberspace. „Es herrscht Krieg da draußen“, sagt Professor Dr. Siegfried Handschuh, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit Schwerpunkt Digital Libraries and Web Information Systems an der Universität Passau. Gemeinsam mit einem europaweiten Forschungsteam arbeitet der Passauer Wissenschaftler an einer Lösung: ein System, das sich selber heilt, vor Attacken schützt und verdächtige Vorfälle automatisch an nationale und EU-Behörden meldet.

Gut getarnte Kriminalität, die aus dem Internet kommt, ist heute Alltag. Ein Beispiel: Die Mitarbeiterin einer Stadtverwaltung will eine Mail schreiben. Sie stößt auf Probleme, denn eine Taste schlägt nicht richtig an. Sie meldet dies der Technik. Die Technik geht nun alle möglichen Ursachen durch, etwa ob es sich um ein Software- oder Treiberproblem handelt. Bis erkannt wird, dass es sich um eine Attacke handelt, haben die Hacker das System bereits übernommen.
Hier setzen die Passauer Wissenschaftler an: „Unsere Cybersecurity-Lösung analysiert den Zusammenhang des Angriffs, erkennt damit automatisch den Vorfall, visualisiert diesen und ermöglicht den Informationsaustausch mit wichtigen nationalen und EU-basierten Autoritäten“, sagt Professor Handschuh. Das Forschungsteam will das System gegen solche Vorfälle wappnen, indem es möglichst viele Muster solcher Angriffe in die Maschine einspeist, das System der Kommunalverwaltungen also auf solche Attacken trainiert. Die Verwaltungen sind untereinander vernetzt, so dass die Maschinen auch Informationen zu Vorfällen anderswo austauschen können und so voneinander lernen können.
Die Forscher setzen dabei auf innovative Verfahren zur Analyse großer Datenmengen (Advanced Big Data Analytics) und Methoden der maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing, NLP). NLP erkennt und analysiert Sprache, um den Sinn zur weiteren Verarbeitung zu extrahieren. Die Maschinen lernen also, nicht nur Texte, sondern auch die Zusammenhänge zu verstehen. Man müsse sich das wie einen Gang zum Arzt vorstellen, sagt Projektmitarbeiter Dr. Adamantios Koumpis. Der Patient schildert seine Symptome. Der Arzt geht nun sein Wissen und seine Erfahrungen mit bestimmten Krankheiten durch und zieht daraus Schlüsse. Seine Diagnose könnte aber noch genauer sein, wenn er auch das Wissen und die Erfahrungen weiterer Ärzte einbeziehen könnte. Und nicht nur das: Der Patient, also das System, soll sich selbst heilen können. Im obigen Beispiel also hätte das System die Attacke schnellstmöglich erkannt, die Schwächen behoben – und die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung hätte keinerlei Probleme mit ihrer Tastatur.
Noch etwas unterscheidet den Ansatz des Passauer Forschungsteams nach eigenen Angaben von der Konkurrenz: „Wir verwenden eine mehrsprachige Semantikunterstützung, um Sprachbarrieren im EU-Kontext zu berücksichtigen“, sagt Professor Handschuh. Dazu arbeiten die Passauer mit Experten aus ganz Europa zusammen. Beteiligt sind unter anderem die Universitäten im finnischen Oulu und im österreichischen Wien und die Stadtverwaltungen aus Rom und Larissa und Griechenland. IT-Unternehmen unter anderem aus Italien, Dänemark, Irland und den Niederlanden gehören ebenso zu der innovativen, von der Europäischen Union geförderten Allianz.
Wissenschaftler der Universität Passau wollen Rathäuser und Mittelständler fit machen für die Herausforderungen im "Cyberkrieg" von morgen. Foto: obx-news/Universität Passau

Wissenschaftler der Universität Passau wollen Rathäuser und Mittelständler fit machen für die Herausforderungen im „Cyberkrieg“ von morgen. Foto: obx-news/Universität Passau

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