Bereits rund 500 junge Flüchtlinge arbeiten in Ostbayerns Handwerksbetrieben

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Maurer und Zimmerer mit Wurzeln in Syrien und Afghanistan: Mit Angeboten wie Berufsorientierung und Berufsvorbereitung macht die Handwerkskammer in Regensburg vor, wie erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt funktioniert.

Regensburg  – Ostbayerns Handwerksbetriebe sind zunehmend ein Motor für die Integration junger Flüchtlinge: Aktuell arbeiten zwischen Tirschenreuth und Passau nach Angaben der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz bereits rund 500 Lehrlinge mit Fluchthintergrund in den Mitgliedsunternehmen. Die Kammer sieht in den rund 37.000 Unternehmen „viel Beschäftigungspotenzial“ für die jungen Erwachsenen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind, sagt Christian Kaiser von der Kammer mit Sitzen in Regensburg und Passau. Die Ausbildungsexperten haben zahlreiche Angebote entwickelt, um die Integration in den Arbeitsmarkt leichter zu machen: Die Palette reicht von speziellen Berufsorientierungen bis hin zu Betriebspraktika. Besonders stolz ist die Kammer auf ein Projekt im Rahmen des Integrationspakts Bayern: eine mehrmonatige Praxiswerkstatt. Sie findet bereits zum zweiten Mal statt und bescherte den Initiatoren bei der Premiere eine hundertprozentige Vermittlungsquote. 
16 Asylbewerber bereiten sich derzeit im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Pfarrkirchen im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn auf ihre berufliche Zukunft vor. Ziel der Initiative in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter: den Teilnehmern theoretische und praktische Grundqualifikationen im Baubereich zu vermitteln. Diese Kenntnisse sollen später einmal das Fundament für eine nachhaltige Integration in Ausbildung und Arbeit durch berufliche Bildung sein. Ein Ausbilder und ein Sozialpädagoge unterstützen sie dabei. Die Praxislernwerkstatt dauert maximal 40 Wochen, Ein- und Ausstieg sind flexibel.
„Wir wollen die Werkstatt-Teilnehmer anschließend in Arbeit oder Ausbildung vermitteln können“, so der Leiter des Bildungszentrums Armin Maier. Bei der Premieren-Praxiswerkstatt sei das bei allen Absolventen gelungen. Um einen möglichst praxisnahen Einblick in die Berufe Maurer und Zimmerer zu gewährleisten, erstellen die Kursteilnehmer in der Werkstatt ganze Hausmodelle, beginnend mit Grundlagen zu Planungs- und Genehmigungsverfahren bis zur praktischen Umsetzung. Dazu gehören etwa das Hochziehen eines Mauerwerkes, das Aufmauern des Giebels, das Aufsetzen des Dachstuhls sowie das Auflegen des Daches.
Neben den praktischen Erfahrungen im Baubereich erhalten die Teilnehmer auch Einblicke in die Bereiche Elektro und Metall. Zudem lernen sie fachsprachliche Begriffe und wenden diese sofort in der Praxis an. Auch mehrwöchige Betriebspraktika sind Bestandteil des Programms. So können sich Betriebe und Teilnehmer kennenlernen und im besten Fall den Grundstein für ein langfristiges Arbeitsverhältnis legen. Damit das gelingt, unterstützt die Handwerkskammer in der Bewerbungsphase und stellt den Kontakt zu regionalen Betrieben hier: „Die Rückmeldungen der Unternehmer sind positiv, einige haben bereits ehemalige Teilnehmer eingestellt“, berichtet Maier.

Die Teilnehmer der von der Handwerkskammer initiierten Praxislernwerkstatt in Pfarrkirchen im Landkreis Rottal-Inn präsentieren den Projektkoordinatoren ihr selbstgebautes Modellhaus. Foto: obx-news/Kökeny Studios

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