Ostbayerns Handwerk: Nachwuchs und Nachfolger fehlen

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Fachkräftebedarf, Digitalisierung und Betriebsnachfolge beschäftigen das ostbayerische Handwerk.

Regensburg – Die rund 37.000 Betriebe des ostbayerischen Handwerks plagen Nachwuchssorgen – und das in doppelter Hinsicht: Zum einen konnten die Unternehmen, die in Summe rund 212.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von rund 27 Milliarden Euro erwirtschaften, zum Start des derzeit laufenden Ausbildungsjahres 900 Lehrstellen nicht besetzen. Zum anderen suchen tausende Betriebe einen Nachfolger: Allein in Ostbayern stehen in den kommenden zehn Jahren rund 11.000 Betriebsübergaben an, weil die Inhaber dann das Rentenalter erreichen. Beide Themen, die Suche nach Nachwuchs und nach Nachfolgern, will die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz in diesem Jahr verstärkt in den Fokus ihrer Arbeit rücken, beschlossen Kammer-Präsidium und -Geschäftsführung. Die wirtschaftliche Lage sei im ostbayerischen Handwerk zwar sehr gut, gerade deshalb dürfe man nicht vergessen, den Blick in die Zukunft zu richten und sich zu wappnen, so die Handwerksvertreter. 
„Die Akquise von hochqualifizierten Mitarbeitern und Auszubildenden ist eine der größten Herausforderungen, die wir im Handwerk haben“, sagte der ostbayerische Handwerkspräsident Dr. Georg Haber. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist Bayerns zweitgrößte Handwerkskammer. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben und für Kunden weiterhin der verlässliche Partner für individuelle Problemlösungen zu sein, brauchen wir aber unbedingt qualifiziertes Personal.“ Aktionen wie beispielsweise die „vertiefte Berufsorientierung“, Lernwerkstätten oder landes- und bundesweite Kampagnen sollen Abhilfe schaffen. Derzeit bildet das ostbayerische Handwerk rund 16.000 Jugendliche aus.
Eine weitere Herausforderung ergibt sich für rund 11.000 Betriebe, die im Laufe der nächsten zehn Jahre zur Übergabe anstehen. „Deren Inhaber sind 55 Jahre und älter, die Betriebe stehen also kurz vor einem Generationenwechsel“, sagte der neue Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger. Sei dieser familienintern nicht möglich, könne das zur Herausforderung werden. Andererseits betonten die Kammervertreter die Chancen, die sich für externe Fachkräfte ergeben. Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat deshalb zusammen mit den bayerischen Handwerkskammern sowie den Industrie- und Handelskammern die „Offensive Unternehmensnachfolge.Bayern“ ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit stärker für das Thema Nachfolge zu sensibilisieren. Die Kammer mit Sitzen in Regensburg und Passau setzt bereits erfolgreich auf spezialisierte „Nachfolgelotsen“ und „Partnerbörsen“, wo Interessenten Betriebe kennenlernen können.
Weiterer Schwerpunkt 2018 ist für die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz der digitale Wandel: Die Experten der Kammer wollen Betriebe an die Hand nehmen auf dem Weg in eine digitale Zukunft. „Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen besteht die Gefahr, den Anschluss zu verlieren und den rasant steigenden Kundenansprüchen nicht gerecht werden zu können“, sagte Präsident Haber. Zwar werde das Handwerk weiterhin „Hand-Werk“ bleiben, doch werde es ohne den Einsatz neuer technischer Errungenschaften nicht gelingen, im Wettbewerb zu bestehen. Die Handwerkskammer wird künftig bereits bei der Ausbildung ansetzen: In Schwandorf plant sie ein eigenes Digitalisierungszentrum.

Volle Auslastung: Der Geschäftsklima-Index in Ostbayerns Handwerksbetrieben erreichte in den vergangenen Monaten ein Rekordhoch. Das lag unter anderem auch an der Entwicklung im Baubereich. Sorgen bereiten der Handwerkskammer aber, dass die Suche nach Auszubildenden, Facharbeitern und Betriebsnachfolgern immer schwieriger wird. Foto: obx-news/Fotolia/Kadmy

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