Bayerns weiß-blaues Rautenwappen: Erfunden von den Niederbayern

0
Sie stehen seit Jahrhunderten für die Einheit des Freistaats: die „bayerischen Rauten“. Doch nicht der in der Bayernhymne besungene weiß-blaue Himmel war dafür der Ideengeber. Als erste führten niederbayerische Grafen das bayerische Markenzeichen in ihrem Wappen / 5. Bogener Rautentage vom 8. bis 10. Juni
Bogen – Sie gehören zum Bayern-Bild ebenso wie Lederhosen und Gamsbart, wie Bier und Reiberknödel. Die weiß-blauen Rauten sind seit mehr als 750 Jahren Symbol für die Einheit des Freistaats und auch offizieller Bestandteil des Bayerischen Staatswappens. „Gott mit dir, du Land der Bayern unterm Himmel weiß und blau“, heißt es in der bayerischen Hymne. Mit dem weiß-blauen Himmel über Oberbayerns Bergen und Seen haben die Rauten aber nichts zu tun. Wer hat´s erfunden? Die Idee dazu stammt von den Grafen von Bogen.
Bereits vor mehr als 900 Jahren führten die niederbayerischen Adeligen die Rauten als Wappen auf ihrem Schild. Das mächtige Geschlecht beherrschte große Gebiete, vom fruchtbaren Gäuboden, über den Bayerischen Wald bis nach Böhmen. Die letzte Gräfin von Bogen, die böhmische Herzogstochter Ludmilla, heiratete im Jahr 1204 in zweiter Ehe den Wittelsbacher Ludwig den Kelheimer. Weil das Paar kinderlos starb, erbte das Geschlecht der Wittelsbacher in diesem Jahr vor genau 770 Jahren nicht nur immensen Landbesitz der Grafschaft, sondern auch das Rautenwappen. Mit den 5. „Bogener Rautentagen“ – einem mittelalterlichen „Spectaculum“ – wird das Wappen auch in diesem Jahr vom 8. bis 10. Juni von den Bogener Bürgern angemessen gefeiert.
In dem Sammelband „Wittelsbach und Bayern“ schrieb der Regensburger Geschichtsprofessor Wilhelm Volkert: „Das bekannteste Abzeichen der bayerischen Herzöge, das schon in spätmittelalterlicher Zeit als Symbol des Landes Bayern verstanden worden ist, sind die Rauten. In wappenmäßiger Darstellung erscheinen sie erstmals auf einem Siegel Herzogs Ludwig II., dessen ältester Abdruck aus dem Jahr 1247 überliefert ist.“
Während der ganzen Regentschaft der Wittelsbacher blieb der Rautenschild das Symbol für das gesamte Herzogtum und später für das Königreich Bayern. Im heutigen großen Staatswappen des Freistaates Bayern, das seit 1950 gilt, verlegte der Münchner Maler und Grafiker Eduard Ege die Rauten als Herzschild in die Mitte. Als kleines Staatswappen dient der Rautenschild allein. Im aktuellen großen Staatswappen, das den gesamten Freistaat symbolisiert, stehen die vier Felder für die verschiedenen Stämme Bayerns. Der goldene Löwe symbolisiert die Oberpfalz und geht historisch auf die pfälzische Linie der Wittelsbacher zurück.
Der blaue Panther steht für den Stamm der Altbayern. Dieses Wappentier geht auf die Grafen von Ortenburg-Kraiburg aus der Familie der Spanheimer zurück, die zwischen Donau, Isar, Inn und Chiemsee siedelten. Der so genannte „fränkische Rechen“, drei silberne Spitzen in Rot, war seit 1350 das Wappen des Hochstifts Würzburg. Der Rechen im Staatswappen steht heute für das gesamte Franken, das als Herzogtum im Jahr 1804 Bayern zugeschlagen wurde.
Als Sinnbild für Schwaben wählten der Heraldiker Hupp und in dessen Folge der Grafiker Ege drei schwarze Löwen, die laut Prof. Dr. Wilhelm Volkert auf das Wappen der schwäbischen Herzöge aus dem Haus der Staufer zurückgehen. Nach dem Aussterben der Staufer war dieses Wappen in Schwaben vielfach verwendet worden und hatte auch Eingang in das Staatswappen des Königreichs Württemberg gefunden.

Sie stehen seit Jahrhunderten für die Einheit des Freistaats: die „bayerischen Rauten“. Doch nicht der in der Bayernhymne besungene weiß-blaue Himmel war dafür der Ideengeber. Als erste führten niederbayerische Grafen das bayerische Markenzeichen in ihrem Wappen. Foto: obx-news

Teilen.