Das ganze Leben ist ein Cabaret

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„Willkommen, Bienvenue, Welcome“: Das Regensburger Theater bringt in diesem Frühjahr das Musical auf die Bühne, das in der Verfilmung mit Liza Minnelli einst acht Oscars holte. Kritiker überschütteten das Ensemble bei der Premiere mit Lob.

Regensburg – „Cabaret“ erzählt die Geschichte, wie sich die Stimmung im Berlin der 1930-er Jahre wandelt von einer ausgelassenen, fröhlichen und hemmungslosen Metropole hin zu einer dunklen Nazihauptstadt, in der auch die leichte Muse zum Instrument des neuen Regimes wird. Diesen Weg einer sich zunehmend verdüsternden Stimmung zeichnet das Theater Regensburg in seiner aktuellen Inszenierung des Musicals nach, die im März Premiere feierte und bis Ende Mai ein gutes Dutzend Mal auf dem Spielplan des Regensburger Velodroms steht. Kritiker und Publikum sind begeistert.

„Dass Cabaret ein Riesenerfolg für das Theater wird, ist ohne Zweifel (…) ein Verdienst der Schauspieler, Tänzer und Musiker, die das Stück, das starke Handlungsstränge eigentlich vermissen lässt, zu einem großartigen Erlebnis machen“, schreibt das Regensburger Wochenblatt in seiner Premierenkritik. Eine „bestechend spielfreudige Ensemble-Leistung, die ebenso begeisterte wie die vielen stilsicheren Klangfarben“, attestierte die Mittelbayerische Zeitung dem Regensburger Theater. Und weiter: „Cabaret verlangt viel Feingefühl und Gespür für die extremen Gegensätze irgendwo zwischen Drama, Humor und exaltierten Showelementen vor einem düsteren, historischen Hintergrund, der uns mehr denn je nicht kaltlassen kann. Genau das ist im Velodrom bestens gelungen.“ Und „Der Neue Tag“ aus Weiden findet: „Kein Wunder, dass der Schlussapplaus am Premierenabend im ausverkauften Theater im Velodrom intensiv und anhaltend ist.“
Christopher Isherwoods autobiographische Erzählung „Goodbye, Berlin“ diente als Vorlage für das Textbuch für „Cabaret“ von Joe Masteroff. Komponist John Kander und Texter Fred Ebb erhielten für das Musical bis heute insgesamt elf Tony Awards. Die Verfilmung aus dem Jahr 1972 mit Liza Minnelli als Sally Bowles ist ebenfalls preisgekrönt – der Film gewann acht Oscars.
„Willkommen, Bienvenue, Welcome!“ So begrüßt der Conferencier die Zuschauer im Berliner Kit Kat Club. Wild, schrill und hemmungslos geht es dort zu Beginn der 30er-Jahre zu. Eigentlich hatte der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw einen Ort gesucht, um in aller Ruhe aus seiner Schreibkrise zu kommen. Was er jedoch findet, ist das pralle Leben, mit all seinen Licht- und Schattenseiten, aber vor allem findet er Sally Bowles, den Star des Kit Kat Clubs. Nachdem Sally von ihrem Chef und Liebhaber gefeuert wurde, zieht sie kurzerhand bei Cliff ein. Die beiden kommen sich näher. Auch seine Vermieterin Fräulein Schneider gesteht sich ihre Zuneigung zu dem jüdischen Obsthändler Herrn Schulz ein und nimmt dessen Heiratsantrag an. Doch die Unbeschwertheit währt nicht lange. Der hilfsbereite Ernst Ludwig entpuppt sich als Nazi der ersten Stunde. Fräulein Schneider löst aus Angst vor Repressalien die Verlobung. Cliff ist entsetzt, wie die Welt um ihn herum sich verändert und will mit Sally so schnell wie möglich Deutschland verlassen. Doch Sally interessiert sich nicht für Politik. Für sie ist das ganze Leben nur ein Cabaret. Und so bleibt sie, um für das neue Regime Lieder zu singen.

Foto: obx-news/Jochen Quast

Foto: obx-news/Jochen Quast

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