Milliardenschwerer Brückenschlag von China nach Bayern

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Einst war die Seidenstraße der wichtigste Handelsweg zwischen Asien und Europa. China will die einstige Wirtschaftsroute neu beleben. Die Nürnberger Messe will zum wichtigsten Brückenkopf Europas für das milliardenschwere Megaprojekt werden. Bayerische Unternehmen sollen besonders profitieren. 
Nürnberg – China ist mittlerweile einer der wichtigsten Motoren für die bayerische Wirtschaft. In der Außenhandelsstatistik des Freistaats ist das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach vorn gerückt; und das mit gigantischen Zuwachsraten: Allein in den vergangenen zwölf Monaten, dem ersten Quartal 2017 und dem ersten Quartal 2018, wuchsen die Exporte nach China um 16 Prozent, die Importe sogar um 21 Prozent. Das Reich der Mitte belegt damit heute sowohl bei den Aus- als auch bei den Einfuhren den zweiten Platz unter allen bayerischen Außenhandelspartnern. Ein bayerisches Unternehmen erkannte früh das Potenzial, das das mit 1,4 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Erde bietet: die Nürnberger Messe. Sie eröffnete bereits vor elf Jahren eine Niederlassung in Shanghai, die inzwischen in vielen Bereich Türöffner für Betriebe aus dem Freistaat ist. Jetzt planen die fränkischen Messeveranstalter den nächsten Coup: Sie wollen Nürnberg zum deutschen und europäischen Brückenkopf für eine neue, rund 800 Milliarden Euro schwere chinesische Megainitiative machen. Ein Auftaktkongress am 25. Juli soll dazu den Startschuss geben.  
Einstmals waren es Seide, aber auch Wolle, Gold und Silber, die auf dem rund 6.400 Kilometer langen und beschwerlichen Weg zwischen Zentralchina und dem Mittelmeer gehandelt wurden. Die Seidenstraße des 21. Jahrhunderts hat mit ihrer Ahnin aus den Geschichtsbüchern nur den Namen gemeinsam. Dahinter verbirgt sich ein „langfristig ausgelegtes Megaprojekt, das China mit klarer Strategie und enormen Ressourcen vorantreibt“, wie der Nürnberger Messe-CEO Peter Ottmann erläutert. Die „One Belt, one Road“-Initiative (deutsch: „Ein Band, eine Straße“) sei in Asien heute ein Riesenthema, in Europa und Deutschland jedoch bislang noch nicht. „Die NürnbergMesse will das ändern“, sagt Ottmann.
Im Rahmen der chinesischen Initiative soll die Seidenstraße sowohl auf dem Landweg als auch auf dem Seeweg neu entstehen. Im Rahmen der „China Landbridge“ spielt der Kongressstandort Nürnberg dabei auch logistisch eine wichtige Rolle: Einmal pro Woche fährt ein Güterzug mit 54 Containern von Nürnberg 10.000 Kilometer nach Chengdu – und dann mit Fracht aus China zurück nach Nürnberg. „Nürnberg liegt also bereits heute an der Seidenstraße“, sagt der Nürnberger Messechef. Das chinesische Projekt will nun mit einem interkontinentalen Infrastrukturnetz zwischen China und Europa, Afrika, dem Nahen Osten, Südasien, Zentralasien und Südostasien die Wirtschaftsräume miteinander vernetzen.
Geld soll vor allem auch in den Ausbau der Infrastruktur in den ländlichen Regionen Westchinas und Zentralasiens fließen. „Mit der Seidenstraße der Neuzeit werden neue Wirtschaftszentren entstehen“, sagt Armin Siegert, Außenwirtschaft-Chef der Industrie- und Handelskammer Nürnberg. „Neue Städte müssen mit Energie versorgt, verkehrstechnisch angebunden und mit medizinischen Einrichtungen ausgestattet werden“, betont er. Er sieht vor allem in den Bereichen Erneuerbare Energien, der Trinkwasserversorgung sowie dem Abwassermanagement, der Biotechnologie und Medizintechnik vielversprechende Geschäftsfelder für deutsche Firmen.
„Von Chinas Weg nach Westen können bayerische Unternehmen in besonderem Maß profitieren“, sagt auch Peter Ottmann. Der Kongress wolle zeigen, wie deutsche Firmen Aufträge in China holen können. Teilnehmer sollen dabei von einem umfassenden Netzwerk profitieren können: die Industrie- und Handelskammern in Bayern und das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie sind Kooperationspartner. Nicht zuletzt liefern auch die Experten der Nürnberger Messe Insiderinformationen über das Business im Reich der Mitte: „Wir sind in China seit mehr als einem Jahrzehnt präsent und haben dort gute Kontakte und etablierte Fachmessen – von Automotive bis Getränketechnologie, von Verfahrenstechnik bis Bio-Lebensmittel. Das sind die besten Voraussetzungen, um mit dem neuen Kongress eine weitere Brücke zwischen Bayern und China zu schlagen“, sagt Messe-CEO Peter Ottmann. Mehr Informationen zum Kongress „Seidenstraße 2018 – Handeln auf neuen Wegen“ gibt es unter www.seidenstrasse.bayern.

Einst war die Seidenstraße der wichtigste Handelsweg zwischen Asien und Europa. China will die einstige Wirtschaftsroute neu beleben. Die Nürnberger Messe will zum wichtigsten Brückenkopf Europas für das milliardenschwere Megaprojekt werden. Die Grafik zeigt die Vision, wie das Reich der Mitte mit dem Projekt „One Belt – One Road“ Wirtschaftsräume neu erschließen und mit der „neuen Seidenstraße“ miteinander vernetzen will. Foto: obx-news/NürnbergMesse

1Bereits seit 2007 erfolgreich in China: die Nürnberger Messe. Das Bild zeigt die Nürnberger Messe-CEOs Peter Ottmann (links) und Dr. Roland Fleck (rechts) in Shanghai mit dem Geschäftsführer ihrer chinesischen Auslandstochter Darren Guo (Mitte) beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 2017. Bereits damals stand fest: Die Nürnberger wollen das Veranstaltungsportfolio in China in den kommenden Jahren noch deutlich ausbauen. Beim Seidenstraßen-Kongress sollen nun weitere bayerische Unternehmen vom Know-how der fränkischen Messeexperten profitieren. Foto: obx-news/NürnbergMesse

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