Wo die Welt das Honigmachen lernt

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In Josef Muhrs Imkerei in Prackenbach im Bayerischen Wald ist die Welt zu Gast.

Prackenbach – Ohne Bienen kein Leben: So knapp lässt sich zusammenfassen, warum sich der Mensch stärker um seine geflügelten, Honig produzierenden Mitgeschöpfe kümmern sollte. Mehr als sieben Millionen Bienenvölker sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits in Europa verschwunden – viele davon auch hierzulande. Das liegt vor allem daran, dass Bienen keine Nahrung mehr finden, weil Felder oft nur mit Monokulturen bebaut sind und es kaum noch blühende Wiesen gibt, auf denen die fleißigen Bestäuber ihren Nektar sammeln können. Inzwischen wächst das Bewusstsein für die fleißigen Nektarsammler in Deutschland und weltweit, nicht zuletzt auch wegen des wohlschmeckenden Honigs, den die Bienen produzieren. Niederbayern entwickelt sich dabei zunehmend zur gefragten Plattform für den internationalen Expertenaustausch. Besonders im Fokus: Imker Josef Muhr, bei dem sich Gäste aus der ganzen Welt sozusagen die „Wabe in die Hand geben“. Er feiert in diesem Jahr auch seinen 10. Firmengeburtstag.
Aserbaidschan, Ukraine, Neuseeland, Südafrika, Frankreich, Italien, Tschechien und Österreich: In Josef Muhrs Imkerei in Prackenbach im Bayerischen Wald (Landkreis Regen) ist die Welt zu Gast. „Der Austausch ist enorm wichtig, viele kommen zum Lernen“, sagt de 31-Jährige. Er entdeckte die Leidenschaft für die Bienen durch seinen Großvater. Für die Imkerei im Hauptberuf entschied sich der studierte Bauingenieur aber erst später. Sein Abschluss als Tierwirtschaftsmeister im Fachgebiet Bienenhaltung und die vielen guten Tipps des Opas waren ihm Rüstzeug, um das Hobby zum Beruf zu machen.
Oftmals ist es die Industrie- und Handelskammer Niederbayern, die die Bienenfreunde von rund um den Globus in den Bayerischen Wald bringt. Es gibt viele Gründe, warum die Imkerwelt nach Prackenbach pilgert: Muhr betreibt heute im Internet eine der größten Handelsplattformen für Imkereibedarf in Deutschland. Mehr als 3.000 Artikel finden Bienenzüchter dort. Muhrs Kunden kommen nicht nur aus der Bundesrepublik. Auch aus vielen EU-Ländern und der Türkei gehen regelmäßig Bestellungen ein.
Das Besondere: Muhr stellt die so genannten Bienenwachsplatten selbst her – mit einer Tagesproduktion von etwa 10.000 Stück, von denen jede etwa 100 Gramm wiegt. Die Platten stellt der Imker den Bienen in einem Holzrahmen bereit. Sie sind essenziell für die Honigproduktion: Bienen bauen dort ihre Waben, lagern den Honig und züchten den Nachwuchs.
Die Imkerei Josef Muhrs ist ein Vorzeigebetrieb: Sie ist nach den strengen Bioland-Kriterien zertifiziert. Der Niederbayer besitzt heute rund 400 Völker und stellt 13 verschiedene Sorgen Honig her. Beliebt bei Kunden sind auch seine Eigenkreationen, bei denen er beispielsweise Honig und Nuss-Nougat-Creme („Honella“) oder Honig und Erdbeeren mischt. Rund 50.000 Gläser Honig produzieren Muhrs Bienen jedes Jahr. Favorit des Imkers ist derzeit der Kornblumenhonig, der als besonders fruchtig gilt.
Die Gäste aus aller Welt lernen im Bayerischen Wald vor allem, wie sich der Beruf als Imker im 21. Jahrhundert erfolgreich betreiben lässt: „Unser Gast aus Aserbaidschan hat beispielsweise viel mitgenommen, was sich schneller und effizienter machen lässt“, sagt Muhr. In der einstigen Sowjetrepublik in Vorderasien sei vieles noch Handarbeit. Die nächsten internationalen Gäste aus Frankreich haben sich bereits angekündigt. Für 2018 erwartet der Bienenexperte aus dem Bayerwald ein gutes Honigjahr.

Die Gäste aus aller Welt lernen im Bayerischen Wald vor allem, wie sich der Beruf als Imker im 21. Jahrhundert erfolgreich betreiben lässt: „Unser Gast aus Aserbaidschan hat beispielsweise viel mitgenommen, was sich schneller und effizienter machen lässt“, sagt Muhr. Foto: obx-news/Muhr

Foto: obx-news/Muhr

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