Ostbayerns Handwerk setzt auf einen gemeinsam Arbeitsmarkt mit Tschechien

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Bürokratische Hürden bremsen noch immer das grenzüberschreitende Arbeiten, kritisiert die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Marienbad – Das ostbayerische Handwerk positioniert sich klar für einen gemeinsamen, grenzüberschreitenden Wirtschafts- und Arbeitsraum mit den östlichen Nachbarländern. Das wurde jetzt bei den 11. Marienbader Gesprächen in dem westböhmischen Kurort deutlich. Das Handwerk sieht sich als Motor für die weitere Vertiefung der grenzüberschreitenden Kooperation im Herzen Europas. „Gerade in einer Zeit, in der Isolationstendenzen einzelner Länder wiedererwachen, ist es umso wichtiger, grenzübergreifend zusammenzuarbeiten“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Dr. Georg Haber. Er würdigte: „Über die Jahre hinweg ist eine Zusammenarbeit entstanden, die Früchte trägt.“ Herausforderungen am Arbeitsmarkt – besonders der Fachkräfte – und Nachwuchsmangel ließen sich nur gemeinsam meistern.

Mit mehr als 200.000 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von rund 28 Milliarden Euro und einem Umsatzwachstum von mehr als vier Prozent in 2017 sind die rund 37.000 Handwerksbetriebe in Ostbayern heute ein Schrittmacher für die Wirtschaft im Freistaat. 160 Wirtschaftsexperten aus der Grenzregion Ostbayern, Tschechien, Österreich und der Slowakei hatte die ostbayerische  Handwerkskammer zum Erfahrungsaustausch geladen.
Sie diskutierten unter dem Motto „Gemeinsam gestalten und voneinander lernen“ einen Tag lang über die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen des grenzübergreifenden Arbeits- und Ausbildungsmarkts. Zentrale Herausforderung: Es gibt zu wenige Fachkräfte.
Besonders die tschechischen Teilnehmer sehen bei der Ausbildung im eigenen Land noch großes Potenzial: Sprachbarrieren, Qualität und Praxisbezug in der Ausbildung waren häufig kritisierte Punkte. Innovative Erfolgsgeschichten für die bayerisch-böhmische Kooperation bei der Ausbildung gibt es bereits: Im Projekt „Deutsch ist Gold“ von Tandem Pilsen oder der Schulkooperation der Zuckerbäcker und Konditoren aus Straubing und Tschechien sahen die Experten Vorbilder für das künftige noch engere Miteinander. Beide Regionen sollten zudem gemeinsam versuchen, auch Fachkräfte aus anderen Ländern in ihren Arbeitsmarkt zu integrieren und das als Chance zu verstehen, sagte Professor Tobias Chilla von der Universität Erlangen.
Kritik übten die Unternehmer und Kammervertreter an den bürokratischen Hürden in Europa. Einfach einen Auftrag im Nachbarland annehmen? Das ist für viele Betriebe nach den Erfahrungen der Handwerkskammer noch immer nicht oder nur sehr schwer möglich. Grund seien Vorschriften, die an der Praxis vorbeigehen. Konkret bemängelten die Experten die neue Entsenderichtlinie. Diese regelt, wann Unternehmen im Ausland tätig werden dürfen. Die Forderung an die Politik: Der bürokratische Aufwand muss sinken.
Mehr Informationen: www.hwkno.de/marienbadergespraeche

160 Wirtschaftsexperten diskutierten bei den 11. Marienbader Gesprächen auf Einladung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Arbeit und Ausbildung. Foto: obx-news/Handwerkskammer

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