Wie Omas Nerz noch einmal Karriere macht

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„Tierschutz und Pelzmode sind kein Widerspruch“, sagt der Regensburger Pelzmodemacher Egon Samabor. Der Präsident des Zentralverbands des deutschen Kürschnerhandwerks will mit innovativen Ideen neue Pelzliebhaber gewinnen. Großes Potenzial sieht er in heimischen Fuchsfellen.

Regensburg – Es gibt kaum eine Mode, die so umstritten ist wie der Pelz. Seinem Erfolg tut das keinen Abbruch: Rund 800 Kürschnerbetriebe mit rund 7.000 Beschäftigten gibt es in der Bundesrepublik. An ihrer Spitze steht der Regensburger Pelz-Modemacher Egon Samabor. Der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Kürschnerhandwerks hat eine Mission: das Image der flauschig-edlen Felle aufzupolieren und Vorurteile zu korrigieren, die viele Menschen mit den Pelzen verbinden. „Tierschutz und Pelzmode sind kein Widerspruch“, sagt Samabor. Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit würden bei deutschen Pelzmodemachern mittlerweile großgeschrieben. Der neueste Trend: Immer öfter macht Omas alter Nerz als „Fell-Bommel“ an der Strickmütze oder als Kapuze des neuen Wintermantels noch eine zweite Karriere.

Insbesondere als Innenfutter, Kragen oder in anderen Applikationen erfreut sich der Pelz in Deutschland wieder zunehmender Beliebtheit, heißt es beim Deutschen Pelzinstitut. Weltweit hat sich die Zahl der produzierten Nerzfälle in den vergangenen zehn Jahren auf rund 60 Millionen verdoppelt. „Seit den Anti-Pelz-Kampagnen Ende der 80er Jahre hat meine Branche allerdings hierzulande mit Vorurteilen zu kämpfen“, weiß Egon Samabor, der seit sechs Jahren an der Spitze der deutschen Kürschnerbetriebe steht. Dabei sei es mittlerweile längst so, dass mittels Qualitätssiegeln die Herkunft und die Umweltgüte der Pelze eindeutig nachweisbar sind.
Die Vorstellung vom massenhaften Tiersterben für den Pelzbesatz hat mit der Realität in Deutschland längst nichts mehr zu tun: Pelzfarmen gibt es praktisch nicht mehr, auch weil der Gesetzgeber die Tierschutz-Vorschriften deutlich verschärft hat. Der Regensburger Pelzmodemacher Samabor bezieht ein Drittel seiner Felle von Tieren, die für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden – Kaninchen, Schafe, Lämmer. Ein anderer großer Teil stammt von Tieren, die Jäger zur Strecke bringen, beispielsweise um Waschbären- oder Bisamrattenplagen zu bekämpfen. Großes Potenzial sieht der Präsident der Pelz-Designer im heimischen Rotfuchs. Etwa eine halbe Million Füchse werden jährlich in Deutschland zur Strecke gebracht, weil dieser sich – mangels natürlicher Feinde – immer weiter vermehrt.
Bisher werden nur weniger als drei Prozent der Felle weiterverarbeitet. Ein eigener Wettbewerb („Red Fox Award“), der Kreationen aus heimischen Fuchsfellen prämiert, helfe seit einigen Jahren, diesen auf dem Weg zum „regionalen und nachhaltigen Öko-Produkt“ zum Durchbruch zu verhelfen, so Samabor. Zusätzlich haben Deutschlands Kürschner ein inzwischen vom deutschen Patentamt geschütztes Label entwickelt: „Weprefur“. Unter diesem Dach verkaufen die Pelz-Designer Produkte aus Fellen, die ausschließlich aus der deutschen Jagd stammen.
Seinen Betrieb in Regensburg führt Egon Samabor in der vierten Generation. Seine Inspiration findet er bei den großen Mode-Messen in Paris oder Mailand. Die Kunden des ostbayerischen Pelzmode-Machers reisen heute bis aus der Schweiz, Österreich, Holland und Italien an, um die exklusiven Kreationen zu bestaunen.
Ein Pelz ist Mode für ein ganzes Leben: Viele Mäntel würden von Generation zu Generation weitergegeben. Etwa 80 Jahre lässt sich ein handwerklich hochwertig gefertigter Pelzmantel tragen. Was immer beliebter wird: Enkel, die Omas Perser entdecken und ihn von Egon Samabor fit für das 21. Jahrhundert machen lassen: „Ein Einsatz aus Wolle, neue Ärmel aus Filz oder die Kombination mit Seide machen das alte Stück zu einer neuen modischen Kreation“, sagt der Absolvent der Frankfurter Designschule. Etwa die Hälfte seines Umsatzes stammt heute bereits aus der „Wiederbelebung“ alter Felle. „Das“, sagt Egon Samabor, „ist gelebte Nachhaltigkeit.“

Kürschnermeister Egon Samabor mit seinen Kreationen. Foto: obx-news

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