Neue Strategie zur Steuerung von Blindleistung in Bayerns Stromnetzen

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Blindleistung tritt in jedem mit Wechselstrom betriebenen Stromnetz auf. Physikalisch betrachtet steckt sie in den elektrischen und magnetischen Feldern. Ein ausgeglichener Blindleistungshaushalt ist eine zwingende Voraussetzung, um die Spannung in den Stromnetzen stabil zu halten. Mit der Energiewende stieg aber die Menge dieser nicht nutzbaren Energie. Gemeinsam arbeitet jetzt das Bayernwerk zusammen mit 50 lokalen bayerischen Netzbetreibern an einer Lösung des Problems.

Regensburg/Ingolstadt – Blindleistung beeinflusst ganz wesentlich die Spannung im Stromnetz, und diese muss immer genau so hoch sein, dass Elektrogeräte zuverlässig funktionieren und nicht beschädigt werden. Denn dass der Strom immer die richtige Spannung hat, ist nicht selbstverständlich. Blindleistung ist  ein wesentlicher Stabilisator für die ansonsten schwankende Wechselstrom-Netzspannung. Mit der Energiewende haben vor allem jetzt viele Netzbetreiber wie Städte und Gemeinden ein wachsendes Problem: durch den Netzausbau, der zum Anschluss der vielen kleinen Erzeuger nötig ist, nimmt die Blindleistung im Stromnetz stetig zu.

Ein unerwünschter Effekt dieser Veränderung: Die Bereitstellung der Blindleistung verursacht alleine in Bayern Kosten in Millionenhöhe. Blindleistung wird aber von keinem Abnehmer bezahlt. Zuviel Blindleistung reduziert außerdem die Übertragungskapazität von Leitungen und Transformatoren für den Transport von nutzbarem Strom.
50 lokale und regionale Netzbetreiber im Freistaat und das Bayernwerk wollen das Problem jetzt gemeinsam lösen. Durch zentrale Steuerungssysteme, nämlich wenige über das ganze Land verteilte große Kompensationsspulen an Stelle vieler einzelner lokaler technischer Lösungen. Das ganze System soll dann in Zukunft zentral über die Bayernwerk-Netzleitstelle in Dachau gesteuert werden und so zuverlässig die Blindleistung im bayerischen Stromnetz auf ein notwendiges Mindestmaß reduzieren.
„Die Lösung hilft uns, unser Netz weiterhin effizient und sicher zugunsten unser Ingolstädter Kunden zu betreiben“, sagte Hubert Stockmeier, Geschäftsführer der Stadtwerke Ingolstadt Netze GmbH, die als einer der ersten in das Projekt einstiegen.
Das bayerische Modellprojekt ist jetzt auf dem besten Weg, auch ein Modell für ganz Deutschland zu werden, um mit der Energiewende steigende Blindleistungsmengen in den Griff zu bekommen. Norddeutsche Netzbetreiber wie das Hansewerk mit seinen über 51.000 Kilometern Stromleitungen und AVACON, die Millionen Menschen zwischen der Nordseeküste und Hessen versorgt, setzen bereits auf die bayerische Lösung. „Ich gehe davon aus, dass unser Konzept zur Bereitstellung der Blindleistung sich weiter durchsetzen wird, weil es so kostengünstig wie effizient ist“, sagt Peter Thomas, Geschäftsführer der Bayernwerk Netz GmbH.

Der Biervergleich illustriert, was hinter dem Begriff Blindleistung steckt. Foto: obx-news

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