Eine „goldene“ Erfolgsgeschichte

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Mit 250 Jahren Historie gehört ein Straubinger Familienbetrieb zu den ältesten Goldschmieden Deutschlands.  

Straubing – Seit Jahrtausenden fasziniert die Menschen der Glanz des Goldes: Bereits vor mehr als 5.000 Jahren schürften unsere Vorfahren nach dem edlen Metall, formten es und trieben damit Handel. In Niederbayern hat sich eine Familie bereits seit 250 Jahren dem Gold verschrieben und hat allen Wirren der Zeit widerstanden: Seit dem Jahr 1768 ist die Familie Leser nachweisbar in Straubing ansässig. Heute wird das Handwerk der Gold- und Silberverarbeitung bereits in der achten Generation ununterbrochen von den Nachkommen des ersten bekannten Mitglieds der Familie weitergeführt. Ob die neunte Generation die Geschichte der Firma Leser weiterführen wird, steht zwar noch in den Sternen. Allerdings attestieren seine Eltern dem 2005 geborenen Aurelius ebenfalls eine kreative und künstlerische Ader.

Über die Ursprünge der Familie Leser, so die heutige Schreibart, ist wenig bekannt. Die erste und älteste erhaltene bekannte Urkunde im Besitz der Familie ist die Kopie eines Taufscheins für Wenzel Matthias Letzr. Er wurde 1747 in Prag geboren und heiratete 1768 in Straubing. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges kam er vermutlich zur Arbeitssuche nach Niederbayern. Dort ließ er sich als Gürtler nieder. Straubing war zur Zeit Wenzel Lesers ein politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt eines großen Teils Niederbayerns. Insbesondere nach den Wirren des Österreichischen Erbfolgekrieges folgte eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der kulturellen Blüte.
Gürtler waren (Kunst-)Handwerker, die Metalle ver- und bearbeiteten. Gürtler stellten Kleiderschließen, Beschläge für Pferdegeschirre und für Wägen aus Messing, Eisen, Zinn und „Neusilber“ her. Edelmetalle durften nur zum Vergolden und Versilbern der Gegenstände verwendet werden. Wenzel Lesers Sohn Franz Anton erlernte denselben Beruf wie sein Vater und arbeitete den Quellen nach als „Gürtler und Goldarbeiter“. Die Bezeichnung macht bereits die Veränderung in der beruflichen Orientierung hin zum Goldschmied deutlich. Aus dem Jahr 1823 ist eine Bestellung für eine Monstranz vom Stadtpfarrer in Straubing bei Franz Anton Leser erhalten, der darin als „Gürtler Meister“ bezeichnet wird.
Dessen Sohn Jacob Leser, Enkel des Gründers, setzte die Tradition fort: Als Krönung seiner Arbeit wurde Jacob Leser durch einen Magistratsbeschluss am 30.03.1882 das Bürgerrecht der Stadt Straubing verliehen. In seiner Werkstatt entstand eine große Menge von Kunstwerken, wie zum Beispiel ein neugotischer Kronleuchter mit drei Metern Durchmesser und eine neugotische Monstranz aus vergoldetem Silber. Diese Turmmonstranz ist mit dreiunddreißig Edelsteinen und kleinen detailreichen Silberfiguren verziert.
1893 stellte die Firma Jacob Leser auf der Weltausstellung in Chicago ihre Werke aus. Sie fand vom 1. Mai bis zum 30. Oktober 1893 zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus statt. Per Schiffsladung wurden die Ausstellungsobjekte in die USA gebracht. Allein acht Tage brauchte der Norddeutsche Lloyd mit dem Dampfer von Bremen nach New York. In den Vereinigten Staaten machten sich die Niederbayern einen Namen: Bestellungen für Kirchen in Pittsburgh und Milwaukee, Albany und Cairo (Illinois) sind in den Analen verzeichnet.
Nicht nur die Kirche, auch das bayerische Königshaus und einzelne Mitglieder des Hauses Wittelsbach, die Häuser Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Altenburg und zahlreiche Adelsfamilien zählten zu der Klientel der Firma Leser. Am 31. Juli 1887 ernannte Prinzregent Luitpold Jakob Leser zum „Königlich Bayerischen Hofjuwelier“, den er bis zum Ende der Monarchie 1918 beibehielt. Papst Leo XIII. zeichnete Jacob Leser mit dem goldenen Verdienstkreuz aus.
Der Erfolg hatte allerdings auch seine negativen Seiten und erweckte Neid und Missgunst. So behaupteten Konkurrenten, dass Lesers Werke zu dünn vergoldet seien. Sie warfen ihm indirekt Fälschung und persönliche Bereicherung vor. Eine weitere Krise zeichnete sich während des Ersten Weltkrieges ab. Das Großkanzleramt des Königlich Bayerischen Militär-Verdienstordens hatte sich beschwert, dass die Gewichtseinhaltung bei den Orden nicht stimmte. Jacob Leser starb 1927.
Sein Sohn Oscar expandierte in die Landeshauptstadt München, um näher bei den Kunden zu sein. Doch die Wirtschaftskrise zwischen den beiden Weltkriegen traf auch den Familienbetrieb: Da die Auftragslage so schlecht ist, kann die Firma nur noch einen Arbeiter beschäftigen. In der Münchener Geschäftsstelle gibt es keinen einzigen Mitarbeiter, außerdem hat Leser dort keinen einzigen Auftrag. 1944 wird das Münchner Gebäude im Krieg zerstört, 1945 fällt Oskar Lesers Sohn Rudolf.
Der zweite Weltkrieg war eine Zäsur für die Familie, doch kein Grund zum Aufgeben: Oskar Lesers Tochter Berta Leser, verheiratete Reißmüller, übernahm das Geschäft in Straubing mit ihrem Ehemann Hermann Reißmüller. „Nach der Währungsreform 1948 kam der Handel allmählich wieder in Schwung. Die Menschen setzten in bleibende Werte und kauften Gold und Schmuck“, heißt es in der Chronik. Schon 1954 hatte das Haus als eines der ersten in Straubing einen „Fernsprechhauptanschluss“ mit einer dreistelligen Telefonnummer erhalten.
Andreas Franz Reißmüller, der Enkel von Hermann Reißmüller und Berta Leser, ist der heutige Geschäftsinhaber. Sein Vater Hermann hatte ihm schon früh in die Kunsthandwerkerbahn gelenkt. 1993 machte Andreas Reißmüller seinen Meisterbrief in Regensburg als Jahrgangsbester.
Anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Straubinger Gäubodenvolksfestes kreierte Andreas Reißmüller ein besonderes Schmuckstück – einen Stadtturmanhänger mit drehbarem Riesenrad, den die Stadt Straubing zur Eröffnung der Ostbayernschau im Jahre 2012 der Gattin des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer überreichte. Diese trug das Schmuckstück sogar bei der Eröffnung des Münchner Oktoberfestes. Das freute die Straubinger Bürger ganz besonders.
Für die Zukunft haben die heutigen Inhaber noch viel vor: 2017 ergänzten Andreas Reißmüller und seine Frau Silke den Betrieb um eine weitere Werkstatt im zweiten Obergeschoss. Drei junge Auszubildende haben dort Platz, das Goldschmiedehandwerk zusammen mit einer Meisterin in Ruhe und abseits vom Ladengeschehen zu erlernen. Das Unternehmen zählt heute rund 20 Mitarbeiter. „Viele Straubinger, aber auch zahlreiche neue Kunden von weit her erfreuen sich an den handwerklichen Unikaten der Goldschmiede Leser und schätzen diese sehr“, sagt Andreas Reißmüller heute.

Für die Zukunft haben die heutigen Inhaber noch viel vor: 2017 ergänzten Andreas Reißmüller und seine Frau Silke den Betrieb um eine weitere Werkstatt im zweiten Obergeschoss. Drei junge Auszubildende haben dort Platz, das Goldschmiedehandwerk zusammen mit einer Meisterin in Ruhe und abseits vom Ladengeschehen zu erlernen. Foto: obx-news/Goldschmiede Leser

Foto: obx-news/Goldschmiede Leser

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