Smartphone-Date mit der „unsichtbaren Hand“ des Marktes

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Mit einer eigens entwickelten Software, interaktiven Experimenten und Quizfragen begeistern Passauer Wissenschaftler immer mehr Schüler für ökonomische Konzepte.

Passau – Vielen Schülern in Deutschland fehlt es an Kompetenz in Sachen Wirtschaft. Das bestätigte zuletzt auch eine Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Günther Seeber von der Universität Koblenz/Landau unter mehr als 2.000 Schülern in Baden-Württemberg. Wie lässt sich das ändern? Die Universität Passau versucht, die Herausforderung spielerisch und interaktiv zu lösen – und hat damit immer mehr Erfolg. Mit einer Software, die die Hochschule entwickelte, können Jugendliche ökonomische Konzepte im Unterricht durchspielen. Mehr als 80 Schulen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Brasilien experimentieren bereits mit dem Programm. „Ich bekomme nur begeisterte Rückmeldungen“, berichtet Projektmitarbeiterin Susanna Grundmann. 
„ClassEx@school“ heißt die Software, die Wirtschaft in die Schule bringt. Eine der Herausforderungen, mit der die Jugendlichen dort konfrontiert sind, ist beispielsweise das so genannte Allmende-Dilemma. Dahinter steckt ein komplexes ökonomisches Problem. Wenn ein (Gemein-)Gut knapper wird, steigt die Konkurrenz. Geht das Gut völlig aus, schadet das allerdings allen. Das Spiel macht das anhand eines Fischteichs nachvollziehbar: Das Allmendegut ist im Spiel ein Fischteich. Die Schüler sollen per Handy möglichst viele Fische aus diesem Teich angeln. Das Perfide daran: Wählen alle Schüler jeweils die maximale Anzahl an Fischen, die sie entnehmen können, dann ist der Teich leer. Dann gibt keine Fische mehr. Der Fischteich kann sich nicht mehr regenerieren.
„Mit unserer Web-Anwendung können Schüler über Smartphones im Unterricht ökonomische Konzepte wie die Rivalität um Allmendegüter hautnah erleben“, sagt Professor Johann Graf Lambsdorff, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftstheorie an der Universität Passau. „Sie müssen eigene Entscheidungen treffen und finden so leichter Zugang zu den Modellen“, ergänzt Dr. Marcus Antonio Giamattei.
Darüber hinaus bietet „classEx@school“ interaktive Experimente für Konzepte wie die unsichtbare Hand des Marktes, den Konflikt zwischen Eigeninteressen und kollektiven Interessen, das Auftreten von Marktversagen oder die Stabilität ökonomischer Gleichgewichte. Teil der Software sind Quizfragen, um den Lernfortschritt zu überprüfen. Außerdem wertet die Webanwendung die Ergebnisse sofort aus und bereitet sie graphisch auf. Die Lehrkräfte können diese direkt im Unterricht diskutieren – unmittelbar nachdem die Schüler die eigenen Erfahrungen mit den Modellen gemacht haben.
Derzeit arbeiten die Initiatoren daran, das Spiel noch besser für den Unterricht aufzubereiten, so dass es für Lehrer noch besser nutzbar ist. Bestehende Spiele werden ausgebaut, neue erarbeitet und vereinheitlicht. Die Passauer wollen auch die Unterrichtsmaterialen noch weiter professionalisieren. „So wollen wir noch mehr Schulen und Lehrkräfte gewinnen“, sagt Projektmitarbeiterin Grundmann.
Das Programm für Schüler basiert auf der in Passau entwickelten Hörsaalsoftware „classEx“. Sie ist dort seit 2012 im Einsatz. Heute nutzen Universitäten bundes- und weltweit das Programm „made in Passau“. Das Einmalige daran: Die Nutzer tragen dazu bei, die Anwendung noch besser zu machen. User programmieren eigene Experimente, auf die dann die gesamte classEx-Community Zugriff hat. Interessierte können einen kostenlosen Account beantragen.

Einen spielerischen Zugang zur Volkswirtschaftstheorie ermöglicht die Software classEx, die an der Universität Passau erprobt und inzwischen für den Einsatz an Schulen weiterentwickelt wurde. Fotos: obx-news/Universität Passau

Einen spielerischen Zugang zur Volkswirtschaftstheorie ermöglicht die Software classEx, die an der Universität Passau erprobt und inzwischen für den Einsatz an Schulen weiterentwickelt wurde. Fotos: obx-news/Universität Passau

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