„Digital Turn“ in der Lehrerbildung

0

Rüstzeug für das Klassenzimmer von morgen: Passauer Wissenschaftler machen Deutschlands Pädagogen in einem Modellprojekt fit für den digitalen Unterricht der Zukunft.

Passau –  Seit 2016 arbeiten Wissenschaftler der niederbayerischen Universität Passau daran, die Lücke zwischen Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften zu schließen. Mit großem Erfolg: Jetzt wurde das aus der Bund-Länder-Initiative „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ geförderte Vorhaben bis 2023 mit Mitteln in Höhe von knapp vier Millionen Euro verlängert. Es will besonders die Grundlagen dafür schaffen, dass Lehrkräfte den „digital turn“ im Bildungsbereich nicht nur mitgestalten, sondern mit digitalen Mitteln belegbar besseren Unterricht machen können.

„Strategien des Kompetenzerwerbs: Innovative Lehr- und Beratungskonzepte in der Lehrerbildung“, kurz „SKILL“ heißt die Initiative, die in Deutschland einzigartig ist. Nach dem erfolgreichen Abschluss der ersten Phase startete das Projekt jetzt in die zweite, auf vier Jahre angelegte Stufe: „SKILL“ heißt jetzt „SKILL.de“. Der Zusatz „.de“ steht für „digitally enhanced“ (dt. „digital verbessert“) und dafür, angehende Lehrkräfte auf die sich im Kontext der Digitalisierung wandelnden Aufgaben in Schule und Unterricht noch gezielter vorzubereiten und Fortbildungsangebote und Unterrichtsbausteine zum Einsatz digitaler Medien im Schulunterricht für erfahrene Lehrkräfte zu entwickeln. Dadurch soll die Lehrerbildung innerhalb und außerhalb der Universität Passau noch stärker vernetzt und sichtbarer gemacht werden.
Getragen wird das Projekt vom Zentrum für Lehrerbildung und Fachdidaktik der Universität Passau in fakultätsübergreifender Zusammenarbeit mit 18 Wissenschaftlern der Universität. Als Partner beteiligt sind außerdem die Regierung von Niederbayern, die Ministerialbeauftragten für die Gymnasien und die Realschulen in Niederbayern sowie vier Partnerschulen und 12 Projektschulen in Bayern.
„Mit SKILL.de reagiert die Universität Passau auf den zentralen Veränderungsprozess unserer Zeit – die Digitalisierung“, sagt die Passauer Universitätspräsidentin Professor Dr. Carola Jungwirth. Künftig soll in Passau auch ein eigenes Lehrerfortbildungszentrums Digitalisierung entstehen. Das Ziel: So sollen nicht nur Lehramtsstudierende, sondern auch erfahrene Lehrkräfte von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren.
Ein wichtiges Arbeitsfeld bleibt das bisherige „Herzstück“ des Projekts, das Didaktische Labor mit dem Beinamen „Klassenzimmer der Zukunft“, in dem mit neuen Medien und Methoden ganz praktisch experimentiert werden kann: Es soll  stetig weiterentwickelt werden. Im Projekt sollen dabei vor allem konkrete Veränderungen in der hochschulischen Lehre im Hinblick auf die „digitale Hochschule“ vorgenommen und ihre Wirkungen auf das studentische Lernen erprobt werden. Unterrichtsbausteine für Schulen entstehen und werden zusammen mit den Partnerschulen erprobt. Zentrale Idee ist dabei, dass nicht nur fachliches Lernen gefördert wird, sondern gleichzeitig auch das Lernen mit und über Medien.
„Mittelfristig sollen alle Lehramtsstudierenden unabhängig von Schulart und Schulfach Qualifikationen in digital unterstütztem Unterricht und kritischer Medienreflexions-, Medienproduktions- und Mediennutzungskompetenz erwerben können“, sagt Professor Dr. Jutta Mägdefrau, die das Gesamtprojekt leitet. „Die Initiative arbeitet darüber hinaus daran, die Kooperation zwischen Schule und Universität weiterzuentwickeln, ein Qualifizierungsprogramm für die Lehrenden an der Universität selbst zur Verfügung zu stellen, und an einer Erprobung der entwickelten Unterrichtsbausteine direkt in den Schulen. Insgesamt ist uns die Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Schule und Universität besonders wichtig, um alle Phasen der Lehrerbildung besser zu verbinden.“
Eines der Themen, das besonders im Fokus steht: der so genannte reflektierte Medieneinsatz. Der Begriff meint die Vermittlung einer in der modernen Medienwelt unerlässlichen Reflexionskompetenz, um Medien und Informationsangebote im Sinne einer Information and Media Literacy kritisch zu hinterfragen, wie der stellvertretende Projektleiter, Professor Dr. Jan-Oliver Decker, erläutert.
Die Lehramtsstudierenden werden dabei nicht nur lernen, wie sie eine kritische Medienkompetenz an Schülerinnen und Schüler innerhalb und außerhalb von Schulen vermitteln können, sondern auch selbständig unterschiedliche Medienformate für den didaktischen Gebrauch weiterentwickeln und sogar selbst planen und gestalten können.
Lehramtsstudierende profitieren von SKILL.de schon heute durch das schon erfolgreich laufende Didaktische Labor sowie durch den bereits erfolgten Aufbau eines speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Beratungsnetzwerks. Im Didaktischen Labor können Studierende nicht nur an Veranstaltungen mit innovativen Lehr-Lern-Formaten teilnehmen, sondern in ungezwungener Atmosphäre auch selbst Unterricht ausprobieren oder eigene Projekte initiieren.
Die Universität Passau organisierte im Rahmen von SKILL bereits verschiedene Projekte mit Schülergruppen sowie Lehrerfortbildungsveranstaltungen mit Schulen aus der Umgebung. „Wir waren von der enormen Nachfrage und der Aufgeschlossenheit der Schulen für Kooperationen überrascht“, sagt Projektleiterin Professor Mägdefrau. Ein besonders hohes Interesse hätten mediendidaktische Konzepte für digital unterstütztes Lehren und sowie deren kritische Reflexion gefunden.

Die Universität Passau will auch das Didaktische Labor mit dem Beinamen „Klassenzimmer der Zukunft“ weiterentwickeln. Foto: obx-news/Universität Passau

Teilen.