Mini-Häuser auf Rädern: Der Traum vom mobilen Wohnen

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Die eigenen vier Wände einfach mitnehmen: In den USA gibt es den Trend zu mobilen Häusern bereits seit längerem. Ein Handwerksmeister aus der Oberpfalz verhilft den „Tiny Houses“ jetzt auch in Deutschland zum Durchbruch.

Pettenreuth – Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein kleines, schickes Holzwohnhaus, liebevoll eingerichtet und ausgestattet mit allem, was man braucht. Erst bei einem Rundgang fällt auf: das Häuschen steht auf Rädern und hat einen Anhänger. „Das muss man sich selbst ansehen, um es zu verstehen“, sagt der Zimmerer und Schreiner Peter Prommersberger, Inhaber des gleichnamigen Handwerksunternehmens aus Pettenreuth bei Regensburg. Der Betrieb in Familienhand setzt seit zwei Jahren mit wachsendem Erfolg auf ein neues, innovatives Geschäftsfeld: Tiny Houses, kleine, mobile Häuser auf Rädern. „Steigende Miet- und Kaufpreise, knapper werdender Wohnraum und der Trend zum Minimalismus ebnen den Weg für die Tiny-House-Bewegung“, sagt er. 14 mobile, kleine Wohnhäuser auf Rädern hat der Familienbetrieb bislang verkauft und sieht in den „Häusern auf Rädern“ eine große Zukunft.

In den USA gibt es den Trend zum Tiny House schon länger. Auf die Idee zu den kleinen Häusern auf Rädern kam der Oberpfälzer Handwerksmeister durch einen Zufall. Anfangs baute er Badezuber, Whirlpools und Saunen auf Anhängern, so dass sie mobil verliehen werden konnten. Bei einer Ausstellung wollten Interessenten wissen, ob es sich bei den ausgestellten Saunen um Wohnhäuser handelt. Da kam Peter Prommersberger der zündende Einfall.

Doch die Umsetzung erwies sich als gar nicht so einfach. Als die größte Herausforderung beschreibt der Handwerker die Statik: Die Minihäuser dürfen eine Höhe von vier Metern, 2,55 Metern Breite und ein Maximalgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschreiten. Sonst erhalten sie keine Straßenzulassung vom TÜV. Käufer dürften ihr Tiny House nicht bewegen. Denn nach deutschem Recht brauchen die mobilen Häuser eine Zulassung als Wohnanhänger.
Nach langem Tüfteln und Planen begann der Schreinermeister aus der Nähe von Regensburg im Frühjahr 2018 mit dem Bau seines ersten Tiny Houses. Im Sommer war der Prototyp fertig: „Das Ganze war nur einen Tag im Netz und am nächsten Tag schon verkauft“, erinnert sich Peter Prommersberger.
Mittlerweile gibt es drei Muster der kleinen, fahrbaren Häuser. Im Grundpaket ist die Versorgung des Tiny Houses mit Festanschlüssen vorgesehen. „Über den Technikraum wird das Haus direkt per Wasser- und Stromanschluss versorgt. Das Ganze lässt sich aber auch erweitern, beispielsweise um einen Holzofen, einer Anlage zur Aufbereitung von Warmwasser und sogar Sonnenkollektoren“, sagt Prommersberger. Auch mobile Anschlüsse sind möglich. „Unsere Tiny Häuser sind individuell anpassbar in der Bauform und frei gestaltbar im Wohnraum, je nach Kundenwunsch.“
Seine Käufer kommen heute aus ganz Deutschland. Demnächst geht eines der Häuser nach Österreich auf Reisen. Die meisten Kunden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, haben ihr Heim den Kindern vermacht und wünschen sich ein Haus, mit dem sie auch mobil sein können. Der klassische Käufer verbringt seinen Sommer in Deutschland, den Winter in wärmeren Gefilden. Die meisten seiner Kunden nutzen die Mini-Häuser auf Rädern als Wohn- oder Ferienhaus. Mit ihnen muss man auch unterwegs auf den Komfort der eigenen vier Wände verzichten.
Nicht nur als Urlaubsresidenz sind die fahrbaren Häuser beliebt: „Man kann sein Tiny House auch als Atelier, Verkaufsraum, Mitarbeiter-Unterkunft, als Hotelzimmer oder als zweiten Wohnsitz nutzen, ideal auch für Pendler“, sagt der Oberpfälzer Pionier. Gerade baue er beispielsweise eine Doppelhaushälfte auf zwei Anhängern mit insgesamt 45 Quadratmetern Fläche für einen Heilpraktiker aus der Nähe von Schwandorf. Eine Hälfte möchte der Kunde als privaten Wohnraum nutzen. Die andere Haushälfte wird aufgeteilt in eine Praxis und eine kleine Ferienwohnung. Bei den Materialien und Partnern setzte der Handwerksmeister von Beginn an auf Nachhaltigkeit und Regionalität.
Auch das Probewohnen im Tiny House ist bei Peter Prommersberger inzwischen möglich. Eines der voll ausgestatteten Mini-Häuser hat er unweit seiner Zimmerei für Neugierige aufgestellt. „Das ist auch zum Urlaubmachen bei uns ideal“, sagt er.

Schick, gemütlich und praktisch: In den Tiny Houses der Zimmerei Prommersberger wird jeder Quadratmeter schlau genutzt. Peter Prommersberger fertigt nahezu alle Bestandteile seiner Tiny Houses selbst oder greift auf regionale Partner zurück. Foto: obx-news/Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

Foto: obx-news/Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

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