Ostbayerns EDV-Pioniere feiern ihren 50. Geburtstag

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Als noch kaum einer die Möglichkeiten des Computers erkannte, gründeten Ostbayerns Handwerkskammern allen Skeptikern zum Trotz eine eigene IT-Tochter. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seitdem fast verzehnfacht.

Straubing – 1969, in dem Jahr als Neil Armstrong den berühmten ersten Schritt auf den Mond machte, legten die Handwerkskammern in Niederbayern und der Oberpfalz in Straubing den Grundstein für ein Serviceunternehmen mit einer damals geradezu visionären Idee: elektronische Datenverarbeitung für das Handwerk. Was seinerzeit mit 16 Mitarbeitern begann, ist in fünf Jahrzehnten zur bundesweiten Erfolgsgeschichte geworden: Heute ist das Unternehmen, die ODAV, in seinem Tätigkeitsbereich für die bundesdeutschen Handwerksorganisationen innovativer Marktführer mit bundesweitem Kundenstamm.
Die Idee damals: mit der weitsichtigen Gründung alltägliche Vorgänge im Handwerk durch moderne Technik deutlich effizienter abwickeln zu können. Zu dieser Zeit war Datenverarbeitung – wie Lohnabrechnungen – noch mit viel Handarbeit verbunden. Wichtigste Arbeitsutensilien waren Lochkarten und Endlosformulare, die beim Bedrucken jede Menge Lärm verursachten. Die technische Ausstattung nahm sehr viel Platz ein.
1980 erhielt das Unternehmen, inzwischen auf 50 Angestellte gewachsen, ein eigenes Gebäude im niederbayerischen Straubing. In den 1990-er Jahren revolutionierten das Internet und der Mobilfunk den EDV-Markt. Die ODAV erweiterte kontinuierlich mit den neuen technologischen Möglichkeiten ihr Leistungsportfolio. Im Januar 2000 wurde das Unternehmen schließlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und verstärkte seine Entwicklungsbemühungen hin zu einem umfassenden Anwendungsdienstleister und Fullservice-Anbieter.
Heute arbeiten über 140 Mitarbeiter am Standort in Straubing. Jedes Jahr investiert der IT-Dienstleister nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Karl Zollner zwischen 800.000 und 1,4 Millionen Euro, um ihren Kunden permanent eine moderne und leistungsfähige technologische Infrastruktur bieten zu können.
Bereits mehr als 70 Softwareprodukte und eine Reihe von Service- und Business-Apps entwickelte das Unternehmen zwischenzeitlich für Anwender in ganz Deutschland. Zu den bundesweit erfolgreichsten Anwendungen gehört der in Straubing entwickelte „Lehrstellenradar“. Die App hilft Jugendlichen in ganz Deutschland, per Tastendruck am Handy eine freie Lehrstelle in ihrem Traumberuf zu finden. Für die Handwerksbetriebe ist die in Niederbayern erdachte Anwendung ideal, ohne großen Kostenaufwand freie Stellen für die Jugendlichen zu offerieren. Der Erfolg der vom deutschen Handwerk auf den Weg gebrachten App ist spektakulär: Mehr als 140.000 Mal wurde diese mittlerweile bereits auf den Smartphones von Deutschlands Berufsnachwuchs installiert.
Aktuell arbeiten die Experten der Gesellschaft für Informatik und Telekommunikation mit Hochdruck an einer neuen Softwaregeneration: „myODAV“. In diesem und anderen Projekten spielen wichtige Zukunftsthemen wie „Big Data“ und „Künstliche Intelligenz“ eine wichtige Rolle. Das Ziel auch für die kommenden 50 Jahre: die neuen technologischen Möglichkeiten zum „größtmöglichen und effektiven Nutzen der Kunden“ auszuschöpfen, wie es in einer Mitteilung zum 50. Geburtstag heißt.

Der Lehrstellen-Radar, inzwischen von Handwerkskammern in ganz Deutschland genutzt, gehört zu den erfolgreichsten Innovationen der IT-Experten aus Niederbayern. Foto: obx-news

Datenverarbeitung mit viel Handarbeit: Dieses Bild aus den 1970-er Jahren zeigt, wie „elektronische“ Lohnabrechnung und Buchhaltung bei den IT-Pionieren aus Straubing damals aussah. Foto: obx-news/ODAV AG

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