Wenn das „Betthupferl“ zum „Beddy-bye goody“ wird

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Das Bairisch-Englische Wörterbuch des Regensburger Autors Andreas Dick ist jetzt in einer neuen, erweiterten Auflage erschienen. Es eröffnet Nicht-Muttersprachlern auch tiefe Einblicke in die bayerische Seele.

Regensburg – Wie erklärt man einem Amerikaner die bayerische „Mia-san-Mia-Mentalität“? Und wie lässt sich die Redewendung „Ich bin nicht auf der Brennsuppn dahergeschwommen“ übersetzen? Antworten liefert ein mit viel Liebe zum Detail zusammengetragenes Sprachwerk, das der gebürtige Straubinger und heute bei Regensburg lebende Dialektautor Andreas Dick herausgegeben hat – und inzwischen zum Standardwerk avanciert: Sein „Bairisch-Englisches Wörterbuch“ übersetzt auf knapp 200 Seiten die wichtigsten Dialekt-Vokabeln in die Sprache Shakespeares. Jetzt ist es in einer zweiten, erweiterten Auflage erschienen. 

Der Nachschlagende findet darin bekannte, aber auch schon fast in Vergessenheit geratene bairische Begriffe, Gastronomisches, Geschichtliches, Kunsthistorisches sowie Volkskundliches. So erfahren Wandler zwischen den Welten, dass sich das bayerische Lebensgefühl („Mia san Mia“) am besten mit „We-are-as-we-are-and-so-shall-we-be mentality“ ins Englische übertragen lässt. Und derjenige, der mit der Brennsuppe-Redewendung deutlich machen will, ihn nicht für dumm zu verkaufen, sagt auf Englisch am besten „I wasn“t born yesterday“. Der SüdOst-Verlag, in dem das Buch erscheint, empfiehlt das Werk auch besonders als Begleiter für die bevorstehende Münchner Wiesn: „Endlich, so werden viele Bayern sagen, kann den zahlreichen Gästen aus aller Welt erklärt werden, was im Englischen einem Bierdimpfl oder einem Pfannakuchengsicht entspricht.“ 

Selbstverständlich fehlen in der Sammlung auch weitere Begriffe nicht, die für beinahe jede Konversation südlich des Weißwurstäquators unerlässlich sind: der Oachkatzlschwoaf („squirrel bushytail“) und das Noagerl („backwash“), das Betthupferl („beddy-bye goody“), der Muhackl („dumb-cluck“) und der Watschnbaum („ear-clout tree“).

Die Grundlagenarbeit für das Sprachwerk von A wie Apfelbutzen bis zu Z wie Zwickerbusserl hat der Anglistikprofessor Dr. Otto Hietsch geleistet. Er veröffentlichte mit „Bavarian into English“ das erste Standardwerk, um Weißwurstrituale („A white sausage must have gone the way of all flesh before the clock strikes the hour of twelve.“) und Wolpertinger („mysterious forest animal“) englischen Muttersprachlern näher zu bringen. Im Laufe der Jahre wuchs die Kollektion an Wörtern, Idiomen und Redewendungen immer weiter heran. 

Professor Hietsch war es eine Herzensangelegenheit, seine inzwischen zur Trilogie gereifte Sammlung in einem Band zu vereinen. „Leider verstarb Professor Hietsch 2010 im Alter von 86 Jahren, so dass er dieses Vorhaben nicht mehr verwirklichen konnte“, sagt Andreas Dick. In Erinnerung an den großen Bayern-Erklärer fügte er die drei Bände zusammen, bearbeitete sie und veröffentlichte das Wörterbuch. 

Andreas Dick ist 1964 in Straubing geboren. Nach dem Abitur in Freising studierte er in München und Regensburg Sport und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien. Seit 1997 leitet er in Regensburg eine Nachhilfe- und Förderschule. Daneben arbeitet er als Autor, liest Mundartgedichte und heitere Alltagsgeschichten. Seit 2002 lebt er mit seiner Familie in Wenzenbach im Landkreis Regensburg. 

Wörterbuch Bairisch-English: Von Apfelbutzen bis Zwickerbusserl, 2. erweiterte und überarbeitete Auflage 2019, SüdOst-Verlag, 19,90 Euro. 

Foto: obx-news
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