Ein Eiweißmolekül, das dem Hirn hilft, sich selbst zu heilen

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Forscher aus Regensburg und aus Basel entwickeln einen völlig neuartigen Therapieansatz für Schlaganfall-Patienten.

Regensburg – Mit einem Schlag ist alles anders: Alle zwei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall. Pro Jahr ereignen sich rund 280.000 Schlaganfälle in der Bundesrepublik. Die Folgen sind oft gravierend: Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Langzeitbehinderungen im Erwachsenenalter. Forscher der Universitätskinderklinik KUNO in Regensburg, des Universitätsspitals Basel und des Universitätskinder-Spitals beider Basel wollen das ändern: Sie sind einem Eiweißmolekül auf der Spur, das dem Gehirn künftig helfen könnte, sich selbst zu heilen. 

Medizinisch gesehen bekommt bei einem Schlaganfall das Gehirn nicht genug Sauerstoff. Diese akute Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff endet in einem Drittel der Fälle mit einer Behinderung oder dem Tod des Patienten. Neue Erkenntnisse von Professor Dr. Sven Wellmann vom Lehrstuhl für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Regensburg, Chefarzt an der KUNO-Kinderklinik Regensburg und der Forschungsgruppen von Professor  Dr. Raphael Guzman (Neurochirurgie und Departement Biomedizin, Universitätsspital Basel) und Professor Dr. Josef Kapfhammer (Neuroanatomie, Universität Basel) könnten nun eine neuartige Therapie ermöglichen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt im Fachmagazin „Nature Communications“ .

Die Forscher knüpfen dabei an eine schon bekannte Tatsache an: Bei Neugeborenen mit einer schweren Form der Asphyxie – Atemstillstand, der einen Sauerstoffmangel zur Folge hat – kann eine lebenslange Hirnschädigung gemildert oder ganz verhindert werden, wenn das Gehirn über mehrere Tage auf 33,5 Grad Celsius gekühlt wird. Die Forscher konnten zeigen, dass ein durch Kälte erhöht nachweisbares Eiweißmolekül, das sogenannte RBM3, in der körpereigenen Reaktion auf einen Schlaganfall von besonderer Bedeutung ist. 

Seit Längerem ist bekannt, dass in zwei Regionen des Gehirns auch im Erwachsenenalter Nerven-Stammzellen vorhanden sind. Diese Stammzellen werden nach einem Schlaganfall aktiviert. Sie senden Botenstoffe aus und vermehren sich. So versucht das Gehirn, sich selbst zu heilen. Fehlt dieses Eiweißmolekül in den Stammzellen, können sie bei einem Schlaganfall schlechter überleben und sind nicht in der Lage sich zu vermehren. 

Die jetzt erzielten Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass RBM3 in der Aktivierung neuronaler Stammzellen nach einem Schlaganfall eine zentrale Funktion hat. Die Überzeugung der Forscher aus Regensburg und Basel: RBM3 selbst oder dessen gezielte therapeutische Aktivierung als Medikament könnte eine Schlüsselrolle spielen bei der Entwicklung neuer Therapieansätze. Diese neuartigen Therapien könnten das Gehirn schützen und helfen, Nervengewebe nach schwerer Schädigung wie Schlaganfall und Asphyxie zu regenerieren.

280.000 Bundesbürger sind jährlich von einem Schlaganfall betroffen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen bleibt danach lebenslang ein Pflegefall. Foto: obx-news
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