Europas Speerspitze im Kampf gegen Cyber-Piraten

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Experten warnen: Cyberkriminalität ist eine wachsende Gefahr für Staat und Wirtschaft. In Nürnberg präsentieren derzeit deutsche und internationale Experten auf der nach Ausstellern größten IT-Sicherheitsmesse der Welt, der it-sa, Abwehrstrategien und fordern mehr grenzüberschreitende Kooperation.

Nürnberg – Die NürnbergMesse als Ort eines Plädoyers für mehr digitale Sicherheit in Europa: Mehr als 750 Aussteller aus 25 Ländern haben in der Frankenmetropole für ein verstärktes grenzüberschreitendes Engagement im Kampf gegen wachsende Cyberkriminalität geworben. „Wir müssen dieser neuen Art der Verwundbarkeit gemeinsam und europäisch begegnen“, sagte Luigi Rebuffi, der Generalsekretär der Europäischen Cyber-Sicherheitsorganisation (Ecso) am Dienstag (8.10.) bei der Eröffnung von Europas führender IT-Sicherheitsmesse, der it-sa in Nürnberg. „Digitalsouveränität in Deutschland und Europa“, forderte Ursula Morgenstern, Mitglied im Hauptvorstand des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). 

Datenverlust, Reputationsschaden und Schäden in Millionenhöhe, die bis zur Insolvenz eines Unternehmens führen können: Cyberkriminalität kostet, nach neuesten Erhebungen der „Cost of Cybercrime“-Studie, allein deutsche Unternehmen jedes Jahr rund 13 Milliarden Euro – mit oft dramatischen Folgen. Hinzu kommen mögliche Angriffe auf so genannte kritische Infrastruktur-Einrichtungen, die beispielsweise Krankenhäuser oder Kommunalverwaltungen lahm legen können.  

„Wir sind konfrontiert mit Bedrohungsszenarien, die sich ständig wandeln“, sagte der Leiter der Abteilung Cyber- und Informationssicherheit, Andreas Könen, im Bundesinnenministerium in Nürnberg. Die Bundesregierung will mit einem neuen IT-Sicherheitsgesetz – es befindet sich derzeit in der Abstimmung zwischen den Ministerien – reagieren. Es soll unter anderem dazu führen, dass Router sicherer werden, aber auch bestimmte Unternehmen verpflichten, Angriffe auf ihre IT-Systeme zu melden. 

Die it-sa auf der NürnbergMesse, die vor zehn Jahren Premiere als eigene Plattform feierte, hat sich mittlerweile zu Europas wichtigstem Treffpunkt für IT-Sicherheit entwickelt. Gemessen an der Zahl der Aussteller ist sie sogar die ausstellerstärkste Messe ihrer Art auf der Welt, wie Exekutivdirektor Frank Venjakob sagte. Der Schutz im Cyberraum ist ein Wachstumsthema: Im Vergleich zu 2018 stiegen die Standflächen um knapp ein Fünftel, die Zahl der Aussteller wuchs um knapp ein Zehntel. Zusätzlich bietet der begleitende Kongress fünf Foren mit über 350 Expertenbeiträgen. Auch das internationale Interesse wächst: So war beispielsweise Österreich erstmals mit einem Gemeinschaftsstand vertreten, das Baskenland präsentierte sich, ebenfalls eine Premiere, als Hub für IT-Security. 

Deutlich wird auf der diesjährigen Messe, dass sich die Herausforderungen gewandelt haben – und dass das Thema große gesellschaftliche Relevanz besitzt: „Es ist nicht mehr Frage, was wir gegen Viren, Trojaner oder Datenklau tun können, sondern ob wir als Staat und als Wirtschaft in der Lage sind, unsere Systeme zuverlässig zu schützen“, sagte Bitkom-Vorstandsmitglied Morgenstern. Nach ihren Worten hätten viele Unternehmen und Behörden dies erkannt und investieren. „Der Markt für IT-Sicherheitsprodukte wächst allein in diesem Jahr um rund zehn Prozent“, so die Expertin. Der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, beklagte dennoch mangelnde Prävention besonders in vielen kleineren Betrieben. Die it-sa sieht er als herausragendes Forum, um das Thema IT-Sicherheit stärker in den Mittelpunkt zu rücken: „Wir können stolz sein, dass hier die größte IT-Sicherheitsmesse der Welt entstanden ist“, so Schönbohm. 

Im Umgang mit den wachsenden Cyber-Gefahren raten Experten zu mehr europäischer Zusammenarbeit. „Cybersicherheit muss eine Priorität im neuen EU-Haushalt 2021 bis 2026 sein“, sagte der Generalsekretär der Europäischen Cyber-Sicherheitsorganisation. Er sehe dies besonders als Aufgabe der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020. „Den globalen Cyberraum zu sichern, geht nur grenzüberschreitend“, ergänzte Bitkom-Vertreterin Morgenstern. Die it-sa in Nürnberg sei ein optimales Forum für diesen wichtigen Austausch, neue Sicherheitslösungen gemeinsam zu erarbeiten. 

Mit mehr als 750 Ausstellern aus über 20 Ländern meldete die it-sa in diesem Jahr ein Rekordinteresse. Foto: obx-news/NürnbergMesse
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