Neue Wege aus dem „Gründer-Dilemma“

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Eine Passauer Wissenschaftlerin zeigt, warum es sich für Entrepreneure lohnt, die Kapitänsbrücke ihres Start-ups zu verlassen. 

Passau (obx) – Jeder Gründer möchte am liebsten ein Bill Gates oder Steve Jobs sein – und auf Dauer an der Spitze der von ihnen gegründeten Unternehmen stehen. Doch das ist nicht immer sinnvoll, wie deutsche Wissenschaftler unter Federführung einer Forscherin der ostbayerischen Universität Passau jetzt gezeigt haben. Danach sollten sich Gründer zwar die Unternehmensführung einem professionellen Management  überlassen, aber dennoch – und das ist neu – weiter an Bord bleiben.

Sind gute Gründer auf Dauer auch gute Geschäftsführer ihrer Unternehmen? Statistiken legen seit langem nahe, dass es für wachsende Betriebe eher hinderlich sein kann, wenn die Initiatoren auch an der Spitze des Managements stehen. Nach einer Erhebung des Harvard Business Review bewegen Investoren im Schnitt etwa vier von fünf Entrepreneuren dazu, sich aus der Unternehmensführung zurückzuziehen und die Kontrolle abzugeben. 

Die schwierige Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Rückzugs der Gründer beschreibt die Forschung als Gründer-Dilemma (Founders“ Dilemma). Bisher konzentrierten sich Wissenschaftler auf die Unternehmensspitze. In einer neuen Studie zeigen Professorin Dr. Carolin Häussler, Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Organisation, Technologiemanagement und Entrepreneurship an der Universität Passau und ihre Koautorinnen Maria Hennicke (Frankfurt School of Finance and Management) sowie Professorin Dr. Elisabeth Müller (German Graduate School of Management and Law, Heilbronn) jetzt: Entrepreneure, die aktiv forschen, sollten sehr wohl weiter im Unternehmen wirken – allerdings in einem Bereich, der ihrer Kernkompetenz entspricht: Forschung und Entwicklung.

Die neue Studie belegt: Unternehmen mit forschungsaktiven Gründern scheitern seltener. Das Risiko eines Misserfolgs ist in diesen Unternehmen um ein Drittel geringer. „Das Engagement von Gründern hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Überlebenschancen der Unternehmen“, schreiben die Autorinnen. Risikokapital verstärkt diesen Effekt. Wenn Investoren in Unternehmen mit forschungsaktiven Gründenden einsteigen, dann führt das zu höherem Wachstum.  „Die Erfindungsaktivität der Gründer ist spezifisch für das Unternehmen, sorgt für Kontinuität, lenkt die optimale Zuteilung der Mittel und stärkt damit die langfristigen Erfolgsaussichten der Unternehmen“, so die Wissenschaftler. Gründerinnen und Gründer haben häufig ab einer bestimmten Wachstumsphase nicht die erforderliche Management-Erfahrung. Sie sollten aber auch nicht aus der Unternehmung aussteigen, sondern weiterhin das tun, was sie am besten können: Marktlücken erkennen und dafür Lösungen entwickeln.

Die Studie entstand im Rahmen des Projekts „The originality of entrepreneurs along the life cycle of firms: Understanding the attributes of entrepreneurial decision making“ an der Universität Passau, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft bereits in der zweiten Phase fördert. Die Forscherinnen arbeiten in diesem Projekt mit Daten von rund 1.500 deutschen Mittelstandsunternehmen, die zwischen 1998 und 2007 gegründet wurden, und beobachten diese über einen Zeitraum von zehn Jahren. Sie konzentrieren sich auf wissensintensive Branchen im Technologie-Sektor und auf Unternehmen, die weder im obersten Wachstumsbereich lagen, noch sofort nach ihrer Gründung scheiterten. Diese Daten gleichen die Ökonominnen ab mit Patentdaten, um zu erkennen, ob und wie Gründer an den Erfindungen der Unternehmen beteiligt waren.

Die Studie „Founder-Inventors and Their Investors: Spurring Firm Survival and Growth“ erschien jetzt im renommierten „Strategic Entrepreneurship Journal“. Herausgeberin ist die Strategic Management Society. Es handelt sich dabei um die führende Fachgesellschaft zur Förderung des strategischen Managements.

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