NürnbergMesse: Am 2. Oktober Gastgeber für Europas größten „Seidenstraßen-Gipfel“

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Die „Neue Seidenstraße“ ist Chinas milliardenschwerer Brückenschlag in Richtung Europa. An der Initiative gibt es auch massive Kritik. Die NürnbergMesse sieht sich als wichtigste Diskussions-Drehscheibe Europas für das milliardenschwere Megaprojekt – und ist am 2.10. Gastgeber für Europas größtes Event zur „Belt and Road Initiative“.

Nürnberg (obx) – Einstmals waren es Seide, aber auch Wolle, Gold und Silber, die auf dem rund 6.400 Kilometer langen und beschwerlichen Weg zwischen Zentralchina und dem Mittelmeer gehandelt wurden. Die Seidenstraße des 21. Jahrhunderts hat mit ihrer Ahnin aus den Geschichtsbüchern nur den Namen gemeinsam. Dahinter verbirgt sich ein „langfristig ausgelegtes Megaprojekt, das China mit klarer Strategie und enormen Ressourcen vorantreibt“, wie der NürnbergMesse-CEO Peter Ottmann erläutert. Die „One Belt, one Road“-Initiative (deutsch: „Ein Band, eine Straße“) erfährt auch in Europa zunehmende Aufmerksamkeit – und auch Kritik. Die NürnbergMesse sieht sich als wichtigste Diskussions-Drehscheibe Europas für das milliardenschwere Megaprojekt – und organisiert am kommenden Mittwoch, den 2. Oktober, Europas größtes Event zu der Initiative aus dem Reich der Mitte. 

China ist mittlerweile einer der wichtigsten Motoren für die bayerische Wirtschaft. In der Außenhandelsstatistik des Freistaats ist das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach vorn gerückt – und das mit gigantischen Zuwachsraten: 2018 stieg das Volumen der Ausfuhren bayerischer Unternehmen nach China um über fünf Prozent. Das Land ist damit heute zweitgrößter Exportmarkt Bayerns. Betrachtet man den gesamten Außenhandel – also Importe und Exporte – war China 2018 zum ersten Mal der wichtigste Handelspartner Bayerns.

Im Rahmen der chinesischen Initiative soll der einstige Handelsweg der Seidenstraße sowohl auf dem Landweg als auch auf dem Seeweg neu entstehen. Ein bayerisches Unternehmen erkannte früh die Chancen, das das mit 1,4 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Erde bietet: die Nürnberger Messe. Sie eröffnete bereits vor zwölf Jahren eine Niederlassung in Shanghai, die inzwischen in vielen Bereich Türöffner für Betriebe aus dem Freistaat ist. 

2018 gelang den fränkischen Messeveranstaltern ein Coup: Sie machten Nürnberg zum deutschen und europäischen Brückenkopf für die neue, bis zu 900 Milliarden Euro schwere chinesische Megainitiative. Ein Auftaktkongress im Sommer letzten Jahres gab dazu den Startschuss: „Wir können nicht zurück in ein Zeitalter der Abschottung“, sagte damals Jingqiu Mao, Generalkonsulin der Volksrepublik China in München und rief zu mehr Kooperation auf. Nürnbergs Messe-CEO verwies darauf, dass das Megaprojekt „Chancen und Risiken“ zugleich biete. Die Messe verstand sich bereits damals als zentrale Diskussions-Drehscheibe Deutschlands und auch Europas für die chinesische Initiative. 

Knapp ein Jahr nach dem großen Auftaktkongress wird immer klarer, was hinter den Worten des Nürnberger Messegeschäftsführers aus dem Juli 2018 von den „Chancen und Risiken“ steht: Denn mittlerweile rumort es an der „Neuen Seidenstraße“. Mehr als 200 Milliarden Dollar sind bislang in die Infrastrukturprojekte der chinesischen „Belt and Road Initiative“ geflossen. In Asien, Europa, Afrika und Lateinamerika entstehen neue Straßen, Zugstrecken, Flughäfen und Tiefseehäfen. Das neue Handelsnetz gilt als riesige Chance für die Weltwirtschaft. Allerdings gibt es zunehmend auch Kritik: am Entstehen finanzieller Abhängigkeiten von Peking und an mangelnder Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten. Auch auf europäischer Ebene knirscht es. Beispiel Italien: Hier werden die Chinesen die Häfen von Triest und Genua ausbauen und damit eine Konkurrenz für Rotterdam und Hamburg schaffen. Noch fehlt eine abgestimmte BRI-Strategie der EU.

Eines steht schon heute fest: Aller Kritik zum Trotz wird China das Projekt massiv weiter vorantreiben. Für die bayerischen und deutschen Unternehmen heißt das: Mit den neuen Handelswegen entstehen auch neue Märkte und neue Chancen. „Diese gilt es rechtzeitig zu ergreifen“, heißt es bei der Nürnberger Messe. Doch wie identifiziert man geeignete Projekte? Wie kooperiert man mit den chinesischen Partnern? Wie erschließt man die neu entstehenden fremden Märkte? Diese Fragen werden im Fokus des Kongresses „Seidenstraße 2019 – Handeln in neuen Märkten“ stehen. Getragen wird er von Bayerns Wirtschaftsministerium, den Industrie- und Handelskammern im Freistaat und der NürnbergMesse.

Die ausverkaufte Erstveranstaltung 2018 hat nach Angaben der Nürnberger Messeverantwortlichen gezeigt, wie groß der Informationsbedarf ist. Deshalb werden die Experten des diesjährigen Kongresses noch detaillierter die aktuellen Chancen und Risiken beleuchten und bewerten. Die Teilnehmer lernen Länder, Regionen, Markteinstiege, Finanzierungsmöglichkeiten und konkrete Projekte kennen. Sie haben die Gelegenheit für individuelle Fragen und zur Vernetzung mit neuen Partnern. Heimische Unternehmen wollen dann auch herausfinden, wie ernst es China bei der Kooperation wirklich meint. Denn nach Schätzungen von Insidern gehen aktuell bis zu 90 Prozent aller Aufträge an Firmen in China. Das Nürnberger Forum will das ändern. 

Einst war die Seidenstraße der wichtigste Handelsweg zwischen Asien und Europa. China will die einstige Wirtschaftsroute neu beleben. Die Nürnberger Messe will zum wichtigsten Brückenkopf Europas für das milliardenschwere Megaprojekt werden. Die Grafik zeigt die Vision, wie das Reich der Mitte mit dem Projekt „One Belt – One Road“ Wirtschaftsräume neu erschließen und mit der „neuen Seidenstraße“ miteinander vernetzen will. Foto: obx-news/NürnbergMesse
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