Schnalzen, Schneidern und Schnupfen in Bayerns „Trachtenhimmel“

0

Das Haus der bayerischen Trachtenkultur und Trachtengeschichte in Niederbayern macht Bayerns Brauchtum erlebbar.

Holzhausen – Brauchtums-Liebhaber in Bayern haben seit 2015 eine neue „Pilgerstätte“: das bayerische Trachtenkulturzentrum in Holzhausen, rund 20 Kilometer südöstlich von der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Landshut. Bayerns neuer „begehbarer Trachtenhimmel“ füllt sich seitdem zunehmend mit Leben: Trachtenbegeisterte können dort erlernen, wie man eine Fuhrmannspeitsche mit einem lauten, schnellen Krachen zu Boden wirft, das Mieder für eine Tracht schneidert oder eine edle Aufbewahrungsschachtel für die kostbare Kopfbedeckung der Damen fertigt. 

Die „Visitenkarte“ der bayerischen Trachtentradition war ein Mammutprojekt: Der Bau dauerte insgesamt fast zehn Jahre und war für die Initiatoren ein finanzieller Kraftakt. Sechs Millionen Euro kostete das Projekt, eine Hälfte davon kam vom Freistaat. Die andere Hälfte stemmten Bayerns Trachtler in Eigenleistung über eine Sonderabgabe und durch rund 30.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit auf der Baustelle. Auf dem Gelände eines ehemaligen, denkmalgeschützten Pfarrhofs sind neben einem großen Depot mit über 70.000 Trachten-Exponaten unter anderem auch ein eigenes Backhaus, ein Jugendzeltlagerplatz, ein Veranstaltungshaus und eine Jugendausbildungsstätte entstanden.

Bayerns damaliger Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte das Haus der bayerischen Trachtenkultur und Trachtengeschichte bei der Eröffnung als „neue Perle“ in der Museumslandschaft des Freistaats. Rund 165.000 Menschen in Bayern sind Mitglied in einem Verein des Bayerischen Trachtenverbandes. Mehr als 100.000 Jugendliche haben sich in der Nachwuchsorganisation, der Bayerischen Trachtenjugend, zusammengeschlossen. Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt: Umfragen – ob auf der Wiesn in München oder dem Gäubodenvolksfest in Straubing – belegen regelmäßig, dass die Tracht wieder im Kommen ist. Wirte geben regelmäßig zu Protokoll, dass das traditionelle Festgewand eine Renaissance erlebt. 

Der Bayerische Trachtenverband als Betreiber der Einrichtung will mit dem Zentrum vor allem eine Botschaft setzen: Tracht ist mehr als das Überstreifen von Dirndl oder Lederhose. Auch deshalb stehen traditionelle Fertigkeiten besonders im Mittelpunkt. Besonders hofft der Verband, viele junge Leute zu begeistern für Techniken wie das „Schnalzen“ (also das Knallen der Fuhrmannspeitsche) oder die filigrane Schachtelfertigung für die Riegelhaube der Frauen. 

Das angeschlossene Trachtenkulturmuseum beleuchtet in einer Dauerausstellung das Phänomen der bayerischen Trachtenbewegung. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr und mittwochs von 14 bis 17 Uhr. Mehr Infos: www.trachtenverband-bayern.de und www.trachtenkulturmuseum.de

Die „Visitenkarte“ der bayerischen Trachtentradition war ein Mammutprojekt: Der Bau dauerte insgesamt fast zehn Jahre und war für die Initiatoren ein finanzieller Kraftakt. Foto: obx-news/Bayerischer Trachtenverband/ Hötzelsperger
Foto: obx-news/Bayerischer Trachtenverband/ Hötzelsperger
Teilen.