Uhren für die Ewigkeit

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Ein Regensburger Handwerksbetrieb fertigt „Riesen-Uhren“ für die Türme dieser Welt. 2020 feiert das Traditionsunternehmen seinen 100. Geburtstag.

Regensburg – Ob Aserbaidschan, Südafrika, Japan oder Neuseeland – auf Kirchtürmen rund um den Globus ticken Uhren aus Ostbayern. Die Regensburger Traditions-Manufaktur Rauscher ist der älteste Turmuhren-Hersteller Bayerns und liefert seine Handwerkskunst in alle Welt. Im nächsten Jahr feiert das Unternehmen seinen 100. Geburtstag: Seit 1920 baut der Familienbetrieb Uhren mit kunstvoll verzierten Ziffernblättern von bis zu mehreren Metern Durchmesser. Neben der Meisterschaft in traditioneller Uhrwerks-Technik ist Rauscher auch ein Pionier der modernen Zeitmessung: Schon 1978 stattete der Handwerksbetrieb Regensburg als erste Stadt Deutschlands mit einer funkgesteuerten Uhrenanlage aus.

Die Geschichte der Georg Rauscher Turmuhrenfabrik GmbH ist eine Geschichte des Uhrwerks – denn mit der Zeit schritt auch die Technik der Zeit-Messung voran. In den Anfangsjahren wurden in Regensburg noch wahre „Ungeheuer“ von Uhren gefertigt: „Rund zwei Monate dauerte die Herstellung der bis zu 700 Kilogramm schweren Mechanik“, sagt Christine Rauscher, dessen Urgroßvater Georg den Betrieb gründete. Urenkelin Christine Rauscher führt die Manufaktur heute gemeinsam mit ihren Schwestern und ihrem Schwager in vierter Generation. 

Der Einbau der Riesen-Uhren brauchte im Schnitt eine Woche. Kirchturm-Uhren wurden „gebaut für die Ewigkeit“ – und viele der ersten Rauscher-Uhren ticken noch heute. Der einzige Grund die alten Uhrwerke stillzulegen: hohe Wartungsintensität und leichte Ungenauigkeit. Heute bestimmt auch auf den meisten Kirchtürmen eine funkgesteuerte Elektronik den Lauf der Zeit. Der moderne Prozessor im Herzen der Uhr wiegt weit weniger als ein Kilogramm.

Doch trotz Computertechnik im Kirchturm: In der Werkstatt von Turmuhren Rauscher ist auch heute noch traditionelle Handwerkskunst gefragt. Die reich verzierten Ziffernblätter werden nach wie vor von Hand bemalt und nicht selten mit vergoldeten Zeigern versehen. Bis heute entstehen in Regensburg kreisrunde Riesen-Uhren: Das größte Ziffernblatt aus Ostbayern hat sieben Meter Durchmesser und hängt am Stadtturm von Straubing. Allein der Minuten-Zeiger ist 4,5 Meter lang und wurde von Hand aus Kupfer gearbeitet.

Nicht nur an Kirchtürmen, Schlössern und Stadttürmen sind Turmuhren aus Ostbayern heute gefragt. Auch in Einkaufszentren, Empfangshallen von Top-Hotels oder Konzern-Zentralen und sogar in privaten Villen rund um den Globus begeistern traditionelle Turmuhren mit transparenter Mechanik ihre Betrachter. 

Foto: obx-news/Georg Rauscher Turmuhrenfabrik GmbH
Foto: obx-news/Georg Rauscher Turmuhrenfabrik GmbH
Foto: obx-news/Georg Rauscher Turmuhrenfabrik GmbH
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