Erste dunkle Wolken an Niederbayerns Konjunktur-Himmel

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Politische Unsicherheiten und schwächelnde Exporte belasten Niederbayerns Industriebetriebe, während im Handwerk Bauboom und starke Inlandsnachfrage auch weiterhin für Optimismus sorgen.

Passau – Niederbayerns Wirtschaft spürt einen rauen Herbstwind: Der Indikator für das Konjunkturklima sank auf den niedrigsten Wert seit neun Jahren, wie Martin Frank, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederbayern, jetzt bei einem Pressegespräch in Passau sagte. Hauptgrund für die sich eintrübende Stimmung seien besonders die pessimistischen Zukunftserwartungen. Gute Nachrichten kommen dagegen vom niederbayerischen Handwerk: Dank starker Baukonjunktur und einer hohen privaten Nachfrage bleibe dort die Stimmung gut, wie Jürgen Kilger, Hautgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, deutlich machte.

„Der Abschwung verfestigt sich“, lautet das Fazit der aktuellen Konjunkturumfrage der niederbayerischen IHK. Die wichtigste Konjunkturstütze bleibe auch dort die Inlandsnachfrage, die für solide Auslastungszahlen sorgt. Demgegenüber hinterlässt das Auslandsgeschäft sichtbare Bremsspuren: Fast jedes dritte befragte Unternehmen (29 Prozent) berichtet von gesunkenen Aufträgen im Exportgeschäft. Im Vergleich zur Vorumfrage werden die Geschäftserwartungen laut IHK deutlich nach unten korrigiert. 

„Die Exporte bleiben weiter schwach, aber auch die Inlandsnachfrage wird nach Einschätzung der Betriebe an Kraft verlieren“, so Frank. „Die von den USA angestoßenen Handelskonflikte und der ungelöste Brexit belasten die Wirtschaft und schaden dem für die niederbayerische Industrie so wichtigen Auslandsgeschäft“, machte auch IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner deutlich. Auch die konjunkturellen und strukturellen Entwicklungen in der Automobilbranche würden von 57 Prozent der Betriebe als Geschäftsrisiko eingeschätzt. Jeder zweite Industriearbeitsplatz in Niederbayern hängt direkt oder indirekt an der Automobilbranche. 

Die Konjunkturdaten für das ost- und niederbayerische Handwerk sind im 3. Quartal 2019 hingegen unverändert gut ausgefallen. „Während sich die gesamtwirtschaftliche Konjunktur abschwächt, bleibt das Handwerk weiter stabil und die Betriebe sind optimistisch. Handwerkliche Zulieferer hingegen blicken verhaltener in die Zukunft“, sagte Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger. 

Die ostbayerischen Handwerksbetriebe sind laut Umfrage hoch zufrieden mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage: 94 Prozent der Befragten schätzen sie als gut oder befriedigend ein. Mit Blick auf das vierte Quartal prognostiziert das Handwerk die weitere Entwicklung der Auftragseingänge teils etwas verhaltener. „Eine Abschwächung wie in der Industrie sehen sie aber derzeit noch nicht“, so Kilger. 

„Eine rege Investitionsbereitschaft sowie positive Entwicklungen bei den Beschäftigten runden die aktuell gute wirtschaftliche Gesamtsituation für das Handwerk ab“, betonte auch Ostbayerns Handwerks-Präsident Georg Haber. Damit sorge das Handwerk für Stabilität in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Aber auch er warnt: „Die in den letzten Jahren positiv verlaufene konjunkturelle Entwicklung ist kein Automatismus. Die binnenorientierte Wirtschaft und damit auch das Handwerk sind auf wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen angewiesen und erwarten dazu die richtigen Weichenstellungen von der Politik“, so Haber. Zu den Forderungen von Niederbayerns Wirtschaft gehören ein zügiger flächendeckender Ausbau des schnellen Internets und der Abbau von Bürokratie. 

Entgegen einer schwächelnden Gesamtwirtschaft steht das ostbayerische Handwerk gut da. Für die positive Geschäftslage sorgt vor allem eine starke Baukonjunktur. Foto: obx-news/Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz
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