Wenn aus Nachbarn Partner werden

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Das Interesse an grenzüberschreitender Zusammenarbeit ist in Bayern und in Böhmen nach wie vor riesig, wie die Resonanz auf die 3. Bayerisch-Tschechische Unternehmensbörse zeigte.

Klatovy – 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die bayerische und die tschechische Wirtschaft heute so eng verflochten wie nie zuvor, wie die Statistiken zeigen. „Jenseits aller Zahlen bleibt aber vor allem eins entscheidend: dass Unternehmer auf beiden Seiten der Grenze die Chance haben, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Bertram Vogel. Er ist Geschäftsführer des „Niederbayern Forums“ und einer der Initiatoren der „Bayerisch-Tschechischen Unternehmensbörsen“. Sie gelten als Vorzeigebeispiel für die persönliche Begegnung deutscher und böhmischer Manager.

Ein Blick in die bayerische Export- und Importstatistik belegt, was vor Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre: Tschechien ist für den Freistaat heute drittwichtigstes Lieferland und liegt fast gleichauf mit den Spitzenreitern USA und China. Auch als Abnehmerland wird der Nachbar im Osten immer wichtiger: Dort hat sich Tschechien in der Statistik bereits auf den achten Platz vorgearbeitet. Die Ausfuhren nach Pilsen, Prag und Brünn sind heute bedeutender als die Exporte in die Schweiz oder in die Niederlande. 

Vieles hat sich in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren gewandelt: „Nutzten früher die deutschen Firmen den benachbarten Wirtschaftsraum wegen günstigerer Personal- und Produktionskosten, begegnen sich heute beide Länder auf Augenhöhe – und stehen auch vor den gleichen Herausforderungen“, sagt Bertram Vogel vom „Niederbayern Forum“. So sei die Idee der Unternehmerbörsen entstanden, die das Forum gemeinsam mit dem Trägerverein der Europaregion Donau-Moldau organisiert. „Durch die Kontakte, den Austausch und die Kooperationen können viele Synergien genutzt werden, die sich für alle Beteiligten positiv auswirken“, betont auch Jaroslava Pongratz, Netzwerkmanagerin der Europaregion Donau-Moldau. 

Die dritte Netzwerkplattform begeisterte jetzt im böhmischen Klatovy (Klattau) rund 100 Aussteller sowie gut 300 Besucher. Niederbayerns Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der zugleich Vorsitzender beider Vereine ist, nannte beeindruckende Zahlen der Partnerschaft: Über 3.000 bayerische Unternehmen unterhalten heute Geschäftsbeziehungen zu Tschechien und mehr als 350 Firmen haben eine eigene Niederlassung im Nachbarland. Mit der Unternehmensbörse wolle man weitere Wirtschaftspartner zusammenbringen und damit neue grenzübergreifende Kooperationen initiieren. „Durch Vertrauen, Kommunikation und Kooperation wird unsere Region auch in Zukunft stark und konkurrenzfähig sein“, so Heinrich. Er versteht die Veranstaltungsreihe als „großartiges Zeichen für gelebte europäische Werte“.

Zwei Referenten gaben den Besuchern aus den Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik, IT, Automotive und der Baubranche Einblicke in grenzüberschreitende Erfolgsgeschichten: Daniel Schmidbauer, Werkleiter Metall im HEYCO-Werk Süd, blickte auf die Entwicklung seiner Firma zurück, die 1936 gegründet wurde, 1960 nach Bayern kam und schon 1995 einen Standort in Tschechien aufbaute. „Anfänglich als verlängerte Werkbank, heute arbeitet der Standort völlig eigenständig“, sagte Schmidbauer. Nach vielen Investitionen in Maschinen habe sich der Umsatz in den vergangenen drei Jahren verdoppelt und auch in Zukunft stehen Baumaßnahmen an, um den Standort weiter auszubauen. Ähnlich Positives berichtete Martin Dvorak, Geschäftsführer von Zambelli-Technik. Nach seinen Worten habe die Firmengruppe Zambelli vom Austausch zwischen Südböhmen und Bayern enorm profitiert. 

Beide Manager zogen ein sehr positives Fazit der Veranstaltung: „Wir konnten viele neue Kontakte zu unterschiedlichen Branchen knüpfen“, so Dvorak, der beim nächsten Mal unbedingt wieder dabei sein will. Solche Rückmeldungen freuen Jaroslava Pongratz, die sowohl im Vorfeld, als auch bei der Unternehmensbörse selbst und danach interessierte Partner dies- und jenseits der Grenze zusammenbringt. „Viele Teilnehmer, die beim letzten Mal dabei waren, haben mir davon berichtet, dass sie sehr von den Kontakten profitiert haben. Sie merken, wie groß das Potential ist und nutzen wieder gerne die Unternehmensbörse, um weitere Kooperationen aufzubauen“, erklärte sie. 

Das Format habe sich als „zentrale Drehscheibe im grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum“ etabliert, sagte Bertram Vogel vom Niederbayern-Forum. „Die Firmen in beiden Ländern stehen vor den gleichen Herausforderungen und es ist sehr sinnvoll, gemeinsam an diesem spannenden Wirtschafts- und Entwicklungsraum zu arbeiten und ihn auch über die Grenzen hinweg nach außen zu präsentieren.“

Ein Netzwerk, das Grenzen überwindet: Organisatoren und Gäste der dritten Bayerisch-Tschechischen Unternehmensbörse in Klatovy (Klattau). Foto: obx-news/Europaregion Donau-Moldau
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