Ostbayerns Handwerk will Deutschlands Azubis mobiler machen

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Weil viele kleine Betriebe gerade auf dem Land keinen Nachwuchs mehr finden, fordert Ostbayerns Handwerk jetzt ein spezielles Ticket, das Auszubildenden für einen Euro pro Tag Zugang zu Bussen und Bahnen eröffnet.

Regensburg – Es sind dramatische Zahlen: Mehr als 17.000 Lehrstellen im deutschen Handwerk sind zum Start in das neue Ausbildungsjahr unbesetzt geblieben. Ostbayern mit seiner großen Fläche und rund 38.000 Handwerksbetrieben ist eine der Regionen, die diese Herausforderung besonders spürt: Mehr als 1.300 Ausbildungsplätze konnten Unternehmen dort in diesem Herbst nicht besetzen. Neben rückläufigen Schulabgängerzahlen, dem anhaltenden Trend zur akademischen Bildung und oft auch fehlendem Wissen über die Chancen einer dualen Ausbildung ist besonders die Erreichbarkeit von Ausbildungsplätzen eine Hürde, wissen die Verantwortlichen der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Diese will mit einer neuen Idee die Mobilität für Deutschlands Handwerks-Nachwuchs revolutionieren: Mit einer speziellen Fahrkarte sollen Auszubildende für einen Euro pro Tag deutschlandweit Busse und Bahnen nutzen können.

Beim Thema Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen sind die ländlichen Regionen Ostbayerns besonders betroffen: Jugendliche müssen viele Kilometer zum Ausbildungsbetrieb, zur überbetrieblichen Ausbildungsstätte und Berufsschule pendeln und sind dabei auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. „Die Unterstützung der Mobilität von Lehrlingen ist deshalb ein entscheidender Ansatzpunkt zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses“, sagt Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer. Deshalb fordert die Vollversammlung der Handwerkskammer mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution zur Mobilitätsförderung das sogenannte „Azubiticket“. 

Für 365 Euro, einen Euro pro Tag, soll es bezuschusste Jahrestickets für öffentliche Verkehrsmittel geben. „Bislang profitieren Auszubildende oft nicht von preiswerteren Fahrkartenangeboten wie es Schüler oder Studenten tun, doch das ist ungerechtfertigt“, sagt Haber. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel stelle für Lehrlinge eine hohe finanzielle Belastung dar, die bis zum Ausbildungsabbruch führen kann. „Gleichzeitig brauchen wir in den ländlichen Flächenregionen einen generellen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, um eine Alternative zum privaten Auto zu haben“, ergänzt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Anspruch auf dieses Ticket sollen laut den Handwerksvertretern alle Auszubildenden, Teilnehmer von Einstiegs-Qualifizierungen und später auch Meisterschüler haben. Das Azubiticket soll uneingeschränkt nutzbar sein und wegen möglicher länderübergreifender Berufsschulstandorte bestenfalls einen bundesweiten Geltungsbereich haben. Finanzieren sollte die neue Fahrkarte nach Vorstellungen der Handwerksvertreter das Bundesland Bayern, bei deutschlandweiter Reichweite auch der Bund. 

Mit einer speziellen Fahrkarte sollen Auszubildende für einen Euro pro Tag deutschlandweit Busse und Bahnen nutzen können. Foto: obx-news/Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz
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